Vermisst

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Vermisst | story.one

„Jedes Jahr das Gleiche“, meuterte ich und packte meinen Koffer.

Auch diesmal sollte uns der Sommerurlaub nach Bella Italia führen.

Ich liebe Italien, hasse jedoch den Teutonengrill. Dieser war zumindest für 2 Wochen anberaumt, bevor wir im Anschluss die Verwandtschaft besuchten.

Frau Mama sonnte sich den ganzen lieben Tag und war nicht ansprechbar. Papa traf sich zum Boccia-Spiel, bei dem ich zeitweise mitmachen dürfte.

In diesem Jahr war es besonders heiß. Im Apartment stand die warme Luft auch in der Nacht, obgleich alle Fenster und die Terrassentür offen standen.

Schon weit nach Mitternacht, an Schlaf war nicht zu denken.

Ich tapse auf die Terrasse raus und bemerkte, dass es dort viel angenehmer war. Da kam mir die rettende Idee. Ich schnappte mir eine Strandliege und machte es mir unter dem Sternenhimmel gemütlich. Vom fernen Hafen, hörte ich die Musik der Life Band.

Aus dem Kühlschrank holte ich mir noch die köstlichen Pfirsiche. Nur hier schmeckten sie so unglaublich gut. Das gelbe Fruchtfleisch schmolz regelrecht im Mund, der Geschmack so unglaublich glücklich machend und so saftig, dass man kein Getränk brauchte.

Jetzt war ich glücklich. Die Kerne entsorgte ich in den Pinienbäumen vor dem Haus. Erstaunlicherweise blieben diese dort hängen.

Irgendwann war ich eingeschlafen.

Als ich munter wurde, hörte ich fremde Stimmen in der Wohnung.

Sehr merkwürdig, wer wohl da war? Meine Güte, wollen die gar nicht gehen? Ich muss aufs Klo! Ich schlich auf der Terrasse, welche rundum ging, in Richtung Stimmen und blickte in die Küche.

Da stehen 2 Carabinieri- oh- was ist passiert?

Einer der Beiden schaut in meine Richtung und ruft auf mich deutend: „...lei è quella?“

Ich fühle mich ertappt und weiß nicht warum.

„Wo warst du?“, wollten meine Eltern wissen.

„Wo soll ich mit einem umgebundenen Leintuch gewesen sein? Ich schlief draußen!“

Halb Italien war auf der Suche nach einer 14jährigen, die böse Mächte wohl entführten.

Die Suche wurde eingestellt und ich bekam verbale Schelte- man könne doch nicht wortlos wo anders als im Bett schlafen.

Den ganzen Tag lag eine Gewitterstimmung in der Luft und nicht nur familiär.

Zumindest meteorologisch entlud sich spät abends der Himmel- Touristen suchten Schutz unter den Pinien vor unserem Haus, als der Starkregen einsetzte und staunten nicht schlecht, als sie von Pfirsichkernen gesteinigt wurden.

Da konnte ich an diesem Tag erstmals wieder herzhaft lachen.

© Sternenkind