Wehmut

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Wehmut | story.one

Lethargisch liege ich auf meiner Couch. Einsam und verlassen. Verletzt.

Mein ganzes Herz, meine ganze Liebe habe ich ihm geschenkt. Alles umsonst. Die schmerzhafte und tiefgreifende Erinnerung kommt ins Bewusstsein.

„Es ist besser wir sind nicht mehr zusammen. Ich kann dich nicht glücklich machen“ ,sagte er neutral als wir in seiner Industrieklettererarbeitswohnung in Zistersdorf waren.

„Du wirst jemanden anderen finden. Sonja, du bist eine wundervolle Frau, die sich nur jeder wünschen kann, aber ich kann dir das nicht geben was du brauchst. Es tut mir leid“, hallt es in meinen Gehirnwindungen nach.

„Es liegt an mir und nicht an dir. Du brauchst Stabilität und einen Partner, der bei dir ist. Schau, ich bin immer unterwegs und völlig instabil. Ich bin drauf gekommen, dass ich lieber alleine bin“, höre ich seine Worte und ich muss zugeben, dass er Recht hat. Trotzdem trifft es mich wie 1000 Pfeile, die mein Herz treffen. Alle gemeinsamen Momente und Erlebnisse für die Fische? Ois umsunst? Die ganzen Jahre laufen den Boch owi?

Des ist dir ois Wurscht? Wie es mir jetzt geht? Danke und das ein paar Tage vor unserem 4 Jahrestag!“

Ich muss nachhause fahren, 2,5, Stunden. Wie soll ich das jetzt schaffen? Mein Herz und mein Hirn rebellieren. Mir ist schlecht, überschlagen sich meine Gedanken.

„Sonja, glaub mir, es ist mir nicht leicht gefallen. Lange habe ich darüber nachgedacht. Aber es ist besser so.“

Er will mich umarmen. „Greif mich ja nicht an!“, keife ich ihn an und laufe hinaus.

Gott sein Dank habe ich eine Verabredung mit Maria, die ebenfalls im Weinviertel wohnt. Wir kennen uns vom Smallfire im Herbst. Die wundervolle gebürtige Zistersdorferin und Autorin nimmt mich warmherzig auf. Sie schenkt meinem Schluchzen, Heulen und meinen Tränen, Raum und Zeit.

Sie ist offen und verständnisvoll für meinen Gefühlsausbruch. Wie ein kleiner Vulkan bricht es aus mir heraus. All die vielen kleinen Enttäuschungen und Verletzungen. Sie lauscht meinen Worten und kann es mit ihrer Lebenserfahrung auf den Punkt bringen.

„Auf verflossene Lieben und Beziehungen blickt man immer mit etwas Wehmut zurück“ ,waren ihre klaren Worte, die mich wieder zurück holten. Raus aus der Verletzung und diese mit etwas Abstand betrachten lies.

Danke, dafür!

© Sternenkind 03.05.2020