Kärntner Kletzlnudeln

In der Küche meiner Oma ist es schön warm. Draußen peitscht der Wind den Regen an das große Küchenfenster. Neben dem Eherd steht der alte Ofen. Er ist ganz schön groß, weiß mit silbernen Griffen. Er hat verschieden Türen, eine in die man das Holz gibt zum Heizen, einen für die Asche und ein Backrohr. Die ganze Oberfläche wird heiß und der Ofen wird immer angeheizt, wenn wieder mal eingekocht wird oder es sich noch nicht lohnt die große Heizung im Keller anzuwerfen. Meine Oma und Uroma arbeiten Hand in Hand. Uroma zerkleinert gerade mit dem Fleischwolf die Zwetschgen und Birnen. Sie stammen aus Omas Garten und werden im Herbst im Dachboden auf altem Zeitungspapier zum Trocknen ausgebreitet. Sie schmecken dadurch sehr süß und aromatisch. Das Mus schiebt sich unaufhaltsam durch den Fleischwolf und landet in einer großen Schüssel. Urli`s runzeligen Hände, die so zart aussehen, vermengen kräftig das Mus mit Gewürzen. Es riecht herrlich süß und fruchtig. Derweil hat meine Oma den Teig vorbereitet, sie knetet in kraftvoll auf dem riesigen Brett, das fast so groß wie der Tisch ist. Immer wieder nimmt sie ein bischen Mehl und staubt die Unterlage. Danach rollt sie den Teig schön gleichmäßig aus. Uroma macht auf einer Hälfte des Teiges in regelmäßigen Abständen kleine Häufchen, Nuß groß. „Weißt, Dagmar, Kletzlnudeln dürfen net zu groß sein“ verschmitzt lächelt sie mich an. „Weil, wenn`s klein sind, kann man sie auf einmal in den Mund nehmen“ sie lacht vor Vorfreude auf den Genuß leise in sich hinein.

Die beiden tratschen über dies und das und ihre Hände sind dabei unermüdlich. Oma schlägt die zweite Hälfte des Teiges über die erste und drückt mit ihrem Handrücken Vertiefungen rund um die Kletzlhäufchen. Urli steht schon mit dem Rädchen in der Hand bereit und radelt dann eine Kletzlnudel nach der anderen heraus. Am Ende landen alle in einem Topf mit heißem Wasser. Bei jedem Arbeitsschritt darf ich mithelfen und nun wird erst mal aufgeräumt. Die Nudeln sprudeln fröhlich im Wasser vor sich hin und Urli fängt an zu singen. Das tut sie immer, wenn sie glücklich ist, oder nachts, wenn sie nicht schlafen kann. Ich habe sie mal gefragt warum sie immer in der Nacht singt und sie meinte dann:“ Weißt, wenn ich nicht schlafen kann, kann ich genauso gut singen und dabei an meine schönsten Momente denken“. „….Dirndale geh her zum Zaun, lass da in die Augen schauen…“ Mit lautem Knallen zieht ein heftiges Gewitter draußen vorbei. Die Nudeln werden nun mit heißer Butter übergossen und kommen in einer großen, schweren Gusspfanne auf den Tisch. Langsam trudeln Uropa und Opa ein und alle setzten sich an den gedeckten Tisch mit den dampfenden, herrlich duftenden Kletzlnudeln. Eine gesegnete Mahlzeit!

© Sterner