Luftschlosstrümmer - Mein Aufbruch

Es schien lange zu funktionieren, die Unzufriedenheit zu ignorieren, nur ein Schein, was einst ein Leben sich nannte. Den Baumeister, den ich so lange kannte, der zum Luftschlösser bauen dann fehlte, hat es aus dem Leben gerissen. Nicht dass ich den Gedanken gänzlich schmähte, weiterzumachen, weiter zu bauen, weiterhin zu vertrauen, dass das Schloss entstehen kann, setzt man Stein auf Stein. Ich war zuversichtlich, munter, doch ich merkte, kaum setzte ich den einen Stein, fiel der andere herunter.

Und nun, außer Trümmern ist vom einst schönen Traum nichts über, aber dieser Traum war mein Leben, ich kann nicht sagen „Schwamm drüber“. Ich stehe vor den Trümmern, vor mir gabelt sich ein Pfad, der eine führt zurück in den gewohnten Trab, der andere zu einem See mit einem Steg. Was passiert, wenn ich geh den bekannten, ungeliebten Weg? Und wenn ich spring ins kalte Wasser? Vor Angst könnt ich jetzt schon kaum sein nasser, ich bin schweißgebadet. Der Gedanke „Ich hab in meinem Leben nichts erreicht“ fühlt sich an, als wenn mir auch das letzte bisschen Kraft entweicht. Ich will nicht weitermachen, wie bisher, will nicht sinnlos dahin vegetieren, ich will mehr. Es geht ums Einsehen, ums Annehmen, zu akzeptieren, wer man ist und dass alle Dinge zueinander passen, darum jeden Drang, sich zu verleugnen loszulassen. Meine Hände zittern, ich will hier raus, doch ich fühl mich, als wär ich hinter Gittern, eingesperrt in einem Trümmerhaufen, ich dreh mich im Kreis, es ist zum Haare raufen.

So, nun genug von der Haarspalterei, ich beruhige mich und zähle eins, zwei, drei. Ich denke ganz sachlich, fachlich darüber nach, was ich jetzt tun werde und kann, ich wünschte, es wäre schon getan. Ich muss nur dieses eine mal klar kommen im Kopf, mich besinnen, die Gelegenheit packen beim Schopf. Leichter gesagt, als getan, spotte ich meine eigenen Gedanken an. Aber nicht schwieriger als eins, zwei, drei, ich habs, ich mach einen Plan. Jawohl, ein tatkräftig klingender Satz, nach außen wirke ich mutig, obwohl ich innerlich nach Fremdbestimmung bettel, da kommt die selbstzerstörerische Hoffnung auf, dass ich mich bei meinem Plan verzettel.

Welch Kalkül besitzt die Angst vor dem Ungewissen, sie ist der Drang zurück ins Gewisse, den ich fühl. Sie versucht mich auszutricksen, treibt seltsame Blüten, ich sollte mich vor der Angst vor der Ungewissheit, nicht vor der Ungewissheit an sich hüten. Die Angst lügt, manipuliert mich, hinterhältig trügt der Schein, die Wildnis ist ein Wagnis, doch die Sicherheit würde mein Gefängnis sein. Ich weiß Verbesserung gibt es nur dort, wo man nicht schon Alles kennt, wo die Sonne nicht auf längst gelegte Gleise brennt. Dort wo keine Schienen mich an sich binden, kann ich gehen wohin ich will, neues Glück für mich finden. Doch „Meide jedes Risiko“ ist, was die Angst zu mir spricht, und noch bevor sie meinen Willen, meine Abenteuerlust bricht, sollte ich wagen ins Neuland den Schritt, denn diesen macht die Angst nicht mit.

© sunsriding