Verloren - Frohsinn abgemeldet

Mir zerspringt das Herz in der Brust, meine Augen füllen sich mit Tränen. Ein knallharter Realitätscheck. Da fiebert man Wochen, Monate auf ein Ereignis hin, malt es sich in den schönsten Farben aus, kann es kaum fassen, wenn es endlich soweit ist, ein Höhenflug. Und dann Knall auf Fall ist alles weg, alles aus, die Farben, die Fantasien, die Hoffnungen und Träume, weg.

Ich war mit einer Freundin auf einer Veranstaltung, die ich wirklich herbeigesehnt habe. Aber schon am Weg dorthin war ich nicht unbedingt in freudiger Stimmung, zu meiner eigenen Verwunderung ist mir meine Freundin sogar auf den Nerv gegangen mit ihrer extremen Vorfreude. Es wollte einfach nicht klappen mit dem Frohsinn, das war im Nachhinein betrachtet wohl eine üble Vorahnung.

Wir sind zu spät gekommen und haben den ersten Programmpunkt verpasst. Gut, okay, dachte ich mir, ist ja nicht so wichtig. Wir trafen nette Leute, eigentlich hätte ich mich gut fühlen sollen, aber es stellte sich einfach kein Wohlbefinden ein. Schlimmer noch, ich war in mir gefangen, konnte nicht aus mir rausgehen, ich fühlte mich verloren, klein, fehl am Platz. Ich hoffte noch, dass es besser wird, wollte aber flüchten..

"Hallo, ich bins, deine Sozialphobie. Du hast doch wohl nicht gedacht, dass du mich los bist?"

Nein, aber dass ich stärker geworden bin, ich war sogar kurz davor damit anzugeben. Gott sei Dank habe ich es nicht getan, denn der Aufruhr in mir, die Gedanken und Gefühle hätten meine Worte Lügen gestraft. Danke, nun weiß ich wieder wo ich stehe. Ironie des Lebens: just in dem Moment, in dem ich denke dass ich stärker geworden bin, wird mir vergegenwärtigt wie schwach ich bin.

Dann kam Panik auf, ich wollte dem Drang nachgehen, flüchten. Als ich meiner Freundin das Codewort für "schleuse mich bitte durch die Menschenmenge" nannte und hoffte, dass ich bald erlöst werden würde, passierte... nichts. Sie hat es zwar gehört, aber ignoriert, für sie war alles genau wie sie es sich erhofft hatte.

Ich klammerte mich an meine letzten verbliebenen Hoffnungen und hielt Ausschau nach einem Menschen, der mir sehr am Herzen liegt, der mir bisher immer ein wunderbares Gefühl gab. Er war nicht da, ein weiterer Schlag. Meine Freundin hat dann doch die Lage erkannt und fragte wie es mir geht, ich sagte nur: Frohsinn abgemeldet. Sie fand diese Äußerung süß, es war aber eher bitter, ein Ausdruck meiner depressiven Stimmung, einfach eine bittere Niederlage.

Ich kann kaum beschreiben, was in mir gerade vorgeht, mein Herz zerspringt, ein Gedankensturm in meinem Kopf, ich kann kaum atmen, ich fühle mich unendlich klein und schwach. Ein Versager, der die Highlights des Lebens nicht auszukosten weiß, ein Träumer, der der Realität nicht zu entfliehen vermag. Tschüss schöne Flügel der Fantasie, hallo harter Boden der Realität. Tschüss Hoffnungen, Illusionen, hallo Sozialphobie, hallo Depressionen. 1:0 für euch Plagegeister, ich habe verloren.

© sunsriding