Natur pur

Die Natur zeigt uns, was Selbstsein heißt.

Viele Tage und Nächte lang strömt ein stürmischer, warmer Regen. Doch dann legt sich der Wind, um in sanftmütiger Ergebenheit dem Frühling den Weg zu bereiten. Langsam soll er dieses Mal Einzug halten! Und ein Mysterium soll er auch weiterhin bleiben! Dafür sorgt der graue aufsteigende Nebel, der das Frühlingserwachen und das Geheimnis der in der Natur vor sich gehenden Wandlung verhüllt. Noch im Nebel gefangen strömen die Bäche schnell bewegt in die bis zu diesem Zeitpunkt trüben, schäumenden Flüsse. Das Gewölk löst sich auf. Die Nebelwand zerbricht, um einem schönen, stetigen Frühling, an dem sich Pflanzen, Tiere und Menschen übereinstimmend freuen, Platz zu schaffen. Der klare Himmel kündigt an: Der Frühling ist da. Die klaren Bäche, die so hell glitzern, dass sie den Augen weh tun. Die Sonne, die die letzte Erinnerung an den viel zu langen Winter verschlingt und mit ihren aufsteigenden Strahlen endgültig löscht, sich als Tagesgestirn entschieden über die Gewässer legt. Und wenn die ganze warme Luft erzittert von den sie erfüllenden Ausdünstungen der erwachten Erde, bleibt nur die kindliche Vorfreude auf die schönste Zeit des Jahres: Die Maienzeit. Wenn das emporschießende junge Gras sich grün färbt, die Knospen schwellen, die summenden Bienen sich im Fliegen üben, die Vögel über den Samt der grünenden Felder ziehen und mit ihrem frühlingsfrohen Geschmetter die Luft erfüllen, dann weiß jeder, ohne Frage, der Lenz - der Frühling - ist da!

© Susanne Ulrike Maria Albrecht