Invasiv lobulär

Auf Grund einer kleinen Veränderung meiner Brustwarze, ging ich zur Mammographie. Große Erleichterung. „Alles bestens“.

Ein Jahr später. Routinekontrolle beim Gynäkologen. Dringende Abklärung der Brust notwendig.

Wie ein Blitzschlag die Diagnose. Brustkrebs.

Brusterhaltende Operation durch Größe und Lage des Tumors nicht möglich. Außerdem neigt diese Art des Krebses dazu, nach einer ungewissen Zeit auch die zweite Brust zu befallen.

Standartvorgehen : Kranker Busen weg . Später operativ aufgebaut.

Das heißt, leben mit Dauerangst vor Befall der zweiten Brust. Aufwendige Rekonstruktion der entfernten .

Meine Entscheidung : beide Brüste weg! Der Arzt stutzte kurz („normalerweise kämpfen Frauen um jeden Zentimeter Oberweite „) fand meinen Wunsch aber grundsätzlich sehr vernünftig. „ Was weg ist, kann nicht krank werden“.

Zu Bedenken gab er, dass man nicht ohne chefärztliche Einwilligung den gesunden Busen wegschneiden dürfe.

Die Chefärztin bei der Krankenkassa gratulierte mir zu der Entscheidung: „ Sehr vernünftig, würde ich persönlich auch so machen“.

Bei der anschließenden Op wurde routinemäßig der Wächterlymphknoten aus der Achsel entfernt und untersucht. Leider befallen. Als Maßnahme schlug mein Arzt Bestrahlung vor.

Aus meinem Umfeld gute Tipps und Horrorgeschichten. Völlig verunsichert beschloss ich eine Zweitmeinung einzuholen.

Nachdem dieser Arzt sich über die Entfernung der gesunden Brust durch den Kollegen empört hatte, meinte er: „State of the Art“ sei es, die Achsel komplett auszuräumen – alle ca. 30 Lymphknoten sicherheitshalber raus zu schneiden. Folge: eingeschränkte Beweglichkeit des Arms ,behinderter Abtransport der Lymphflüssigkeit mit allen möglichen Konsequenzen.

Es gäbe zwar Studien, die belegen, dass die Bestrahlung ausreichen würde, die „könnten aber nicht für mich angewendet werden.“

Noch mehr Verunsicherung . Dritte Meinung: Zweitmeinung bestätigt.

Mein Arzt, mit diesen Tatsachen konfrontiert, erklärte mir, warum die erwähnten Studienergebnisse, die das komplette Ausräumen der Achsel hinfällig machen, nicht für mich angewendet würden.

Lediglich der Umstand, dass meine gesunde Brust auch entfernt worden war, unterscheidet mich von den Teilnehmern der neuen Studie.

Somit erfülle ich formal nicht die Bedingungen = die Ergebnisse „gelten nicht“ für mich. Die alte Brachial Methode kommt zum Einsatz. Völlig absurd.

Meine Entscheidung war klar : Bestrahlung und Antihormontherapie für 7 Jahre.

Ein Jahr später. Kein zwickender BH . Kein Wabbeln mehr beim Joggen. Die altersbedingte Hängebusengefahr nachhaltig gebannt.

Das vom Patientenanwalt eingeholte Gutachten bestätigt, dass die erste Mammographie den Krebs bereits damals sehr deutlich zeigte. Durch die Fehldiagnose konnte er ein Jahr lang ungehindert wachsen und streuen.

Mein Körper ist inzwischen wieder gesund. Die Seele humpelt noch.

© Susanne