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#wiennurduallein

Hot in the city

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Hot in the city | story.one

Das sang schon Billy Idol, wenn sich die heutigen Silver Surfer noch erinnern können, aber er meinte mit Sicherheit eine andere Hitze. Es ist in diesem Sommer heiß, einfach nur unerträglich heiß. Ich spüre ein dezentes Rinnsal an meinem Rückgrat hinunterlaufen. Glücklicherweise trage ich ein feines Westchen, damit man den Schweiß nicht sieht. Die Hitze scheint auch Auswirkungen auf das öffentliche Verkehrssystem zu haben: Während überlanger Wartezeiten wegen hitzeverbogener Schienen starrt der arme Fahrgast auf elektronische Anzeigetafeln, die vor der Hitze kapituliert haben, und einfach nur „Beachten Sie den Fahrplanaushang“ oder "gar nichts" anzeigen. Es ist wirklich zum Aus-der-Haut-fahren und das ist ganz sprichwörtlich gemeint. Nicht nur, dass diese Hitze an meinen Nerven zerrt, tun dies die Wiener Verkehrsbetriebe auch. Und das mit einer Gelassenheit und Selbstverständlichkeit, das kann sich wirklich nur ein von der öffentlichen Hand finanzierter Betrieb leisten.

Stellen Sie sich bitte vor, Sie rufen privat ein Taxi. Der Fahrer lässt Sie zehn Minuten warten, raucht im Wagen, ohne zu fragen und ein Fenster zu öffnen, telefoniert dabei und findet noch dazu die gewünschte Straße nicht. Würden Sie diese Taxi-Hotline jemals wieder wählen? Wahrscheinlich nicht. Die öffentlichen Verkehrsmittel kann man sich leider nicht aussuchen. Sie sind zwar bei idealen Bedingungen recht zuverlässig, aber eben nur dann, wie man etwa jährlich beim ersten Schneefall im Dezember merkt: Das Schneechaos wird nur noch vom Verkehrschaos übertroffen. Auf so etwas Unvorhergesehenes kann man sich natürlich nicht einstellen und schon gar nicht vorbereiten. Auch so etwas wie ein Lerneffekt aus den vergangenen Jahren tritt nicht ein. Die Strategen versagen. Und der Kunde verzagt. Jahr für Jahr.

Heiß werden kann einem auch beim folgenden Thema: In manchen Lokalen gibt es ja heute noch in den Toiletten Automaten – in den Herrentoiletten sind es meist Kondome, die es zu kaufen gibt, in den Damentoiletten zumeist Nylonstrumpfhosen oder Tampons. Was will der Automatenbetreiber uns Frauen damit sagen? Dass wir auch mit Strumpfhosen verhüten können? Spricht er uns Frauen das Recht ab, selbst initiativ und aktiv zu werden? Darauf hoffend, dass der Mann, den man gerade an der Bar kennengelernt hat, noch schnell einen Gummi am WC gekauft hat?

Ebenso hot finde ich Mützen – und zwar Mützen auf Männerköpfen. Wie David Beckham oder auch Lenny Kravitz. Keine Fellmützen mit Ohrenschützern, sondern lässige Beanies (schlagen Sie das selber nach, ich bin ja nicht Wikipedia). Aber: Viele Männer haben ihren Stolz, man kann es auch Eigensinn nennen oder Unvernunft. Und tragen daher auch bei arktischen Temperaturen keine auch noch so stylische Mütze oder Handschuhe und schon gar keine langen Unterhosen. So friert man als Mann auch am Skilift in Jeans und Socken wie vor 40 Jahren, als wir und unsere Körper das bisschen Unvernunft noch cool fanden.

© Susi_Bock 2020-10-17

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