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Das Gute Gewinnt

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Das Gute Gewinnt | story.one

Als ich vor 7 Monaten mit dem Schreiben von Kurzgeschichten begann, hatte ich keine Ahnung was daraus mal werden sollte. Ein Buch? Vielleicht. Ich habe einfach angefangen. Im Laufe dieser 7 Monate bin ich von Kanada in die USA gezogen und meine Geschichten wurden, auch aufgrund des Neuanfangs, sehr persönlich. Eine Art ungewollte Aufarbeitung im Zeitraffer begann.

Ich habe in meinem Leben viele schöne und viele weniger schöne Dinge erlebt. Oft stieß ich an die Grenzen des Machbaren und suchte doch weiter einen Weg raus aus der Dunkelheit. Ich ging immer weiter und weiter, bis es irgendwann leichter wurde. Die Geschichte 'Der vergessene Geburtstag' handelt davon.

Worte, ob geschrieben oder gesprochen, waren und sind sehr wichtig für mich. Sie waren und sind immer ein Bestandteil meines Lebens gewesen. Wie auch Emotionen. Beides zu leben war und ist oft nicht einfach für mich. Das Schreiben in den letzten Monaten hat mir geholfen, gerade die letzten 12 Jahre, die sehr intensiv waren, zu verarbeiten, einzuordnen. Jede meiner Geschichten ist wahr, ist so passiert. Einige fielen mir leicht zu schreiben, andere waren eine Herausforderung. Auf meinem Weg durch die Geschichten musste ich mich einigen Erlebnissen in meinem Leben nochmal stellen. Ich musste, wenn sie authentisch werden sollten, mein Herz und meine Augen öffnen.

Die Geschichten 'Wut vs Leben' und 'Fremde Freunde' waren für mich am schwierigsten zu schreiben, weil sie mich nochmal in eine Zeit zurückversetzt haben, die ich weit weggeschoben hatte. Eine Zeit, in der ich mich selbst verloren hatte und ganz langsam lernen musste, dass nur ich mich wieder herausholen konnte. Egal welchen Weg ich gegangen bin, ich habe immer daran geglaubt, dass am Ende 'Das Gute gewinnt' Trotz vieler dunkler Stunden, Tage, Wochen, ich habe versucht nie aufzugeben. Was wäre auch die Alternative gewesen?

Wir leben heute in einer Welt, in der die Erde sich zwar genauso schnell dreht wie seit tausenden von Jahren, aber das was wir tun oder das, was wir sehen, hören, fühlen, nehmen wir oft nicht länger als eine Sekunde wahr, weil das Nächste schon wartet. Geschichten auf Papier können dagegen steuern, weil wir alle Dinge in unserem Leben haben, an die wir uns erinnern wollen oder müssen.

Meine Großmutter hat einmal zu mir gesagt: "Alles, was du im Leben tust, bekommst du auf die eine oder andere Weise zurück. Versuche also ein guter Mensch zu sein und einen rechtschaffenden Weg zu gehen." Damals habe ich die Augen verdreht, heute weiß ich, dass sie recht hatte. Die Geschichte 'Der Mann mit der Mütze' handelt von so einem Menschen und wie er mir gezeigt hat, einfach Mensch zu sein.

Das Schreiben von Geschichten hat mich weder vor schlechten Dingen im Leben bewahrt, noch hat es die guten Dinge besonders hervorgehoben, aber es hat mir geholfen, Erlebnisse zu verarbeiten und in die richtigen Bahnen zu lenken. Heute kann ich über alles reden. Ich kann weinen, aber auch wieder lachen. Das Gute hat gewonnen.

© Sylvia Herzberg 13.12.2019

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