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#ichbintoll

Beste Freunde

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Beste Freunde | story.one

Es gibt ihn.

Diesen einen Menschen.

Den, der mich nie verlässt.

Den, der bis an mein Ende an meiner Seite sein wird. Er wird mir den Rücken nicht zukehren. Er ist immer da. Dennoch fällt es mir oft schwer, ihm ein guter Freund zu sein.

Er kennt mich. Er weiß alles von mir. Auch die bestgehütetsten Geheimnisse sind ihm bekannt. Vor ihm kann ich mich nicht verstecken. Trotzdem versuche ich manchmal, vor ihm zu fliehen.

Er weiß, was ich brauche. Meine Wünsche, Träume und Ängste sind ihm nicht fremd. Versuche ich auch hartnäckig, ihm etwas vorzumachen, so kennt er doch die verborgene Wahrheit dahinter.

Er ist der einzige Mensch, dem gegenüber ich verpflichtet bin, ehrlich zu sein. Nicht immer ist das einfach. Er dringt in mein stützendes wie beengendes Korsett aus Konventionen und Verpflichtungen ein. Er kennt meine Gedanken, wenn ich mich an hektischen, verregneten Herbsttagen auf eine einsame, sonnenbeschienene Insel wünsche – fernab von familiären und beruflichen Aufgaben. Er durchschaut mein schlechtes Gewissen, weil mir trotz des Reichtums, mit dem mich das Leben beschenkt hat, manchmal zum aus-der-Haut-Fahren ist.

Schön ist das Gefühl, diesen Menschen in den Arm zu nehmen. Das gelingt mir nicht besonders oft. In meiner Vorstellung klopft er mir aufmunternd auf die Schulter und drückt mich ganz fest. Höre ich besonders genau hin, dann flüstert er mir ins Ohr: „Alles ist gut! Du bist gut.“ Und schon geht es meist los, dass ich ihm widerspreche, weil mir das eine nicht gelungen ist, ich das andere vergessen habe und für das dritte keine Zeit mehr hatte. Er bleibt dann trotz dessen an meiner Seite und versucht es erneut: „Du brauchst nicht perfekt zu sein. Du bist ja auch nur ein Mensch!“ Gut bin ich darin, ihn dabei zu überhören. Zu hoch sind die Ansprüche, die ich an mich selber stelle.

Wir haben gute und weniger gute Zeiten zusammen. Ab und an sind wir nur zu zweit unterwegs und es gibt Tage, an denen ich das genießen kann. Da genügt mir unsere Zweisamkeit. Ich weiß, dass wir uns im Grunde genommen gern haben. Wir brauchen einander. Deshalb gibt es auch einen Weg zueinander. Einzig mit gegenseitigen Überraschungen tun wir uns etwas hart, kennen wir uns doch zu gut dafür.

Danke, dass du bei mir bist.

Danke, dass du es immer wieder mit mir versuchst.

Danke dir – mein „Ich selbst“.

© Teresa Kaiser-Schaffer 2020-10-17

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