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Iachsroba

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Iachsroba | story.one

Sie entkernten Paprika, schnitten Zwiebeln und raspelten Karotten. Eimerweise. Die Käsefüllung für die Kotori, dünne Teigfladen, wurde wieder und wieder durchmischt und abgeschmeckt, bevor diese über dem offenen Feuer in einer Metallschale gebacken und zum Schluss mit frischer Butter bestrichen wurden. Schreiend liefen die Kinder zwischen den Beinen der Frauen durch, um sich zu fangen oder zu ärgern. In Sekundenschnelle schälten geübte Hände Berge von Kartoffeln. Dazwischen meine beiden linken Hände, mühten sich ab mitzuhalten – chancenlos – gegen die Armada der Flinken, Emsigen, die schnippelten, schnitzten, rieben, kneteten und zwischendurch Tee einschenkten. Das Treiben auf der hölzernen Veranda war bunt, es wurden alte Volkslieder angestimmt, getratscht und gelacht. Die Arbeit war reichlich, doch die Frauen hatten alles im Griff.

Die Tische bogen sich unter der Last der Schüsseln und Teller. Selbstgebrautes süßliches Bier und literweise Chacha, bei dessen Genuss sich die Eingeweide zusammenzogen, standen in Krügen neben kunstvoll gefalteten dampfenden Teigtaschen mit dem klingenden Namen Chinkali, Salaten aus Karotten und Melanzani mit viel Gewürzen, Koriander und Knoblauch abgeschmeckt, neben Türmen an Kotori, Schafskäse, Brot, frischen Tomaten, Gurken und großen Stücken süßer Wassermelone. Die Frauen liefen hin und her, deckten, brachten neue Schüsseln heran mit an Spießen gebratenem Schafsfleisch, Lobio, einem würzigen Bohnengericht und Jonjoli, was auf deutsch den merkwürdigen Namen "Kolchische Pimpernuss" trägt.

Das eisige Bergwasser lief ununterbrochen durch einen rostigen alten Wasserhahn über rot angelaufene Hände, die unermüdlich Besteck, Gläser und Teller abwuschen. Tische waren aufgestellt neben der Brunnenstelle unter freiem Himmel. Der erste Tag des Festes war vorbei und alles musste gründlich gereinigt werden für den zweiten. Junge und alte Frauen standen beisammen, eine schrubbte, eine spülte, eine stapelte und eine brachte laufend neues schmutziges Geschirr heran.

Die Dunkelheit hüllte das Tal ein, ich fiel erschöpft, satt und betrunken ins Bett. Morgen ging es weiter, der dritte und letzte Tag von Iachsroba. Morgen früh vor allen anderen, würden die Frauen da weitermachen, wo sie gestern aufgehört hatten. Sie sind das Rückgrat der georgischen Gastfreundschaft. მანდილოსნებს!

© Tetri_Gogo 10.01.2020

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