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Wenn man glaubt, es geht nicht mehr...

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Wenn man glaubt, es geht nicht mehr... | story.one

Auszug aus dem Tagebuch einer Mutter in Zeiten der Coronakrise

Samstag, 28. März

Was zwei Wochen doch alles verändern können. Als es hieß, dass die Kindergärten/Schulen gesperrt werden, Einkaufen nur noch für Lebensmittel gestattet ist, Sozialkontakte auf ein Minimum reduziert werden müssen, dachte ich, das überstehe ich nicht. Als Mutter von zwei Kindern (5 und 2 Jahre) und Frau eines Schichtarbeiters, konnte ich es mir nicht vorstellen, nirgends hinfahren zu können, meine Familie nicht zu besuchen. Ich war furchtbar gestresst und übel gelaunt, was sich auch auf die Kinder übertrug. Ich fühlte mich eingesperrt.

Und doch. Ich bin erstaunt. Vor ein, zwei Tagen hat sich etwas geändert. Ich kann nicht genau sagen, wie es angefangen hat, doch die Stimmung hat sich gedreht. Es stellt sich eine gewisse Gelassenheit ein.

Ich glaube, so lange Telefongespräche habe ich überhaupt noch nie mit meiner Familie geführt. Früher war Telefonieren doch mehr ein notwendiges Übel als ein Kommunikationsmittel. Da schickt man doch lieber schnell eine Nachricht auf Whatsapp. Hand aufs Herz, so ging's uns doch allen. Doch jetzt freue ich mich auf die netten Gespräche, das Austauschen von, wenn auch nicht besonders aufregenden, Erlebnissen. Es ist einfach schön, die Stimmen seiner Familienmitglieder zu hören.

Ich vermisse auch das Einkaufen nicht mehr. Mir ist nie aufgefallen, wie oft ich eigentlich nur Einkaufen gefahren bin, nur weil mir langweilig war, oder ich nicht wusste, was ich mit den Kindern unternehmen soll. Beschämend, wenn man so darüber nachdenkt.

Ich merke, wie meine Kreativität wiederkommt und ich Lust auf Musik, Basteln, Malen und Spielen mit den Kindern bekomme. Und langsam, aber sicher wird mir klar, dass jede Krise auch eine Chance ist, sein Leben zu überdenken, Verhaltensmuster abzuwägen, um danach die Dinge wieder zu schätzen, die einem gut tun und andere wegzulassen, die sich als Ballast herausstellen.

Samstag, 4. April

Mein Gott, es ist schon wieder Samstag! Ich merke, wie die Tage ineinander verrinnen. Am Anfang der Krise hatte ich das Gefühl, dass jeder Tag, jede Stunde eine Ewigkeit dauert. Meine Anspannung übertrug sich auch auf die Kinder. Kein Wunder, dass auch sie gestresst waren und schlecht gelaunt waren.

Es hat sich nun ein neuer Alltag eingestellt: Die Kinder stehen viel später auf (liegt womöglich auch an der Zeitumstellung vergangene Woche). Ich genieße den Morgen, wenn ich als Erste aufstehe, eine Tasse Kaffee trinke und die Tageszeitung lese. Wenn die Kinder dann um 8 Uhr oder später aufstehen, spielen, malen und basteln sie auf einmal sehr selbstständig. Es ist nun richtig harmonisch.

Heute Morgen habe ich in der Zeitung gelesen, dass die Regierung eine „schrittweise Zurückführung zur Normalität nach Ostern“ möchte. Ist etwa schon ein Ende der Beschränkungen in Sicht? Irgendwie schade… Jetzt habe ich gerade angefangen, mich daran zu gewöhnen…

© Theresia Thauerböck 05.04.2020

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