Erleuchtung

Wer kennt sie nicht, diese „Probleme“, die man jahrelang wälzt. Nicht 24/7 aber immer und immer wieder. Mir ging es so, deshalb Probleme unter Anführungszeichen, mit dem Wort, und da muss ich ein wenig vom Knigge abweichen, „arschkalt“ so. Einer meiner Vorgesetzten, Bundesdeutscher, hat es des Öfteren, mit Inbrunst nahezu, verwendet. Kommt ja auch irgendwie aus Deutschland. Im österreichischen täglichen Sprachgebrach ist das Wort noch nicht allzu lange vertreten.

Die Erleuchtung kam letzten Winter vor dem Kachelofen (großes Sichtfenster, viel Feuer, Musik, Buch, Kaffee, Biedermeier reloaded) und dachte, wie so oft in ähnlicher Situation, an die Osterfeuer meiner Kindheit und Jugend. Für mich als verkappten Pyromanen als Kind einer der Jahreshöhepunkte. Und der Höhepunkt des Höhepunktes war das Feuerspringen. Jugendliche sprangen durch lodernde Flammen. Ich wollte auch springen, war ich doch schon in der zweiten Klasse - Volksschule, und wurde sanft aber bestimmt daran gehindert (scheich di, du teppata Bua oder wüllst vabrennan). Also blieb mir nur, sich zu den Besuchern zu gesellen und darauf zu warten, bis einer der Mutigen aus den Flammen auftauchte, immer begleiten von Aaahhhs und Ooohhhs, von Applaus und Pfiffen und Sprüchen, die alles andere als kindgerecht waren.

Da stand man nun in gerade noch erträglicher Entfernung vor einem hochlodernden Osterhaufen, die Nächte im April noch empfindlich kalt und wartete. An der Vorderseite stellte sich langsam ein Sonnenbrandgefühl ein, an der Hinterseite hatte man schon fast Frostbeulen und wartete noch immer bis die Flammen die richtige Höhe hatten, auf den ersten Sprung. Dann auf den zweiten, auf den dritten…. und wagte nicht sich umzudrehen um auch einmal die Rückseite zu wärmen, da man ja einen der Sprünge verpassen könnte. Man könnte, Knigge hätte es gefallen, auch „schulterblattkalt“ oder „kniekehlenkalt“ sagen. Klingt zwar kindgerechter, aber, ehrlich jetzt, auch saublöd.

Möglich, dass man in Deutschland eine andere Erklärung für die Herkunft dieses Wortes hat. Ich bevorzuge diese für „arschkalt“.

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