Jetzt sag´ ma besser nix

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Jetzt sag´ ma besser nix | story.one

Die siebte Klasse Oberstufe soll ja bekanntlich die schwerste Schulstufe sein. Naja. Mit regelmäßiger Anwesenheit und einer knappen Mitschrift gleicht das Unterfangen eher dem Spiel Topfschlagen ohne Augen verbinden. Nichts desto trotz standen bei mir einige Existenzprüfungen an. Lernaufwand niedrig, Output enorm, ergo alles geschafft. Das wurde zu dritt mit einem Bier auf dem Dach der Gartenhütte eines Freundes begossen. Der Abend war jung, die Nacht war lau und die Abschlussklassen hatten ihre Maturafeier.

Viele der Maturanten zählten wir zu unserem Bekanntenkreis, wir schlossen uns ihnen an und der Abend kam ins Rollen. Aufbruch in die Stadt, ein bisserl feiern. Im Laufe der Nacht ereilte uns der unwiederbringliche Kollateralschaden: Einer der drei Amigos ging abhanden. Kein Ding, ist ja immerhin Mittwoch und morgen ist Schule. Noch dazu war es zum Zeitpunkt seines Verschwindens bereits mehr früh als spät.

Eierspeise bei einem Lehrer, der die Maturanten zu diesem frühmorgendlichen Genuss einlud. Auch die beiden letzten Mohikaner waren zu gegen. Als uns besagter Lehrer erblickte, huschte ihm ein breites Grinsen übers Gesicht. U-Boote hätten ihm die Abschlussleute da ins Haus gebracht. Aber kein Problem, heute wird gefeiert, da ist das schon in Ordnung. Nach der Stärkung ab in Richtung Schulgebäude. Die erste Stunde stand an; also rein ins Klassenzimmer.

Nach dieser durchzechten Nacht blieb logischerweise keine Zeit für Zahnhygiene, geschweige denn für frische Klamotten. Der Duft der Nacht hing bereits vor Stundenbeginn über der letzten Reihe, wo wir es uns gemütlich machten. Natürlich hatte die Lehrerin bereits von unserem nächtlichen Ausflug erfahren, sowas spricht sich rum im Konferenzzimmer. Sichtlich amüsiert betrachtete sie also die beiden Gestalten, die sich versuchten, auf den Sesseln zu halten. Funfact: nach der ersten Stunde stand eine mehrstündige Exkursion auf dem Programm! Puh, also das war so gar kein Thema.

Elegant in der Pause die Schule verlassen und zielstrebig aber schwankend zu mir nach Hause spaziert. Es war aber erst dreiviertel neun, da ist die Schule normalerweise nicht aus – also was machen? Egal. Nach dem Credo „so, jetzt holt ma schei die Goschn u sagn gar nix“, rauf ins Zimmer. Dennoch kurz zur Mama: „Die Exkursion fällt aus. Wir sind im Zimmer.“ Geschafft, also ab in Richtung heiß ersehntem Bett. Hundemüde noch kurz gefreut, dass sie uns das geglaubt hat, schliefen wir alsbald ein. Mehrere Stunden später wieder auf. Alles gut soweit.

In unserem Übermut, den man mit 17 Jahren aber auch haben darf, Richtung Küche und fragen, was es zu Mittag gibt. Ein süffisantes Lächeln meiner Mama und die Mutter meines Freundes wartete bei der Tür. Tja, die Geschichte mit der entfallenen Exkursion war vielleicht doch nicht so glaubhaft wie gedacht. Aber wirklich böse war uns keiner, war ja schon Notenschluss.

© Thomas Schützenhöfer 21.09.2019