Vom Nebel und anderen Suppen

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Vom Nebel und anderen Suppen | story.one

Man mag ja meinen, ein Wochenende Ende Mai in Zell am See verspricht Sonne, knackige Wanderwege und ein herrliches Panorama. Denkste.

Im Vorfeld versprach die Wetter-Frau schon nichts Gutes, weshalb Regenkleidung fester Bestandteil der Garderobe war, welche für die zwei Nächte wie so oft viel zu üppig ausfiel. Lange Anreise und ein Ausflug, spätes Ankommen, schnelles Abendessen und ab in die Hapfen, der nächste Tag soll voller Action sein. Unsere für den Vormittag anberaumte Wanderung in Richtung Schmittenhöhe fiel dem Wetter zum Opfer, zu nebelig. Also das ultra-sportliche Alternativprogramm: die Wanderung um den See.

Mit Regenjacke und Regenschirm, welcher zirka im fünf-Minuten-Takt zu- und wieder aufgeklappt wurde, ging es rund um den See. Ob der relativ hohen Anzahl an Mit-Spaziergängern wurde uns bewusst, dass wir wohl nicht die einzigen waren, die wetterbedingt die gemütlichere Route wählten. Trotz der grauslichen Witterung war es eine coole G´schicht, so um den See zu laufen. Zu groß geratene Teiche bei Regen, wenn die fetten Tropfen aus der grauen Wolkendecke im Wasser einfach verschwinden und es trotz unzähliger Gleichgesinnter nicht schaffen, eine Änderung herbeizuführen. Großartig. Andererseits war das Panorama ja trotzdem nicht so verkehrt, wenngleich es ob der Nebelsuppe nur angedeutet wurde. In den alternierenden Regenpausen gab es sogar Zeit für ein paar Schnappschüsse – Pärchen-Herz was willst du mehr?!

Nachmittags dann ab in den Spa-Bereich. Sauna ja, die hat gepasst. Liegebereich so lala, kein Licht zum Lesen und war recht kühl, das war nix für fast schon durchgefrorene Wandersleut´. Zu guter Letzt der Pool, welcher aber eher den Charakter eines Kneipp-Beckens hatte, da dem Wasser wohl keiner gesagt hatte, dass sich die Leute dort drinnen gerne Aufwärmen würden. Also lagen alle Hoffnungen beim Abendessen.

Tja, und da war dann was los. Essen war ganz solide, wenngleich sich das Restaurant nicht ganz zwischen Dorfstube und moderner Einrichtung entscheiden konnte. Das Hopfensüppchen zum Hauptgang brachte uns dann irgendwie auf den Geschmack, zu zweit mal ein bisserl mehr Alkohol als das obligatorische Achterl Wein zum Runterspülen zu konsumieren. Schon bald lächelte uns der Kellner an, denn man konnte fast schon die Uhr danach stellen, alle zwanzig Minuten wurden zwei neue Spritzer bestellt. Gemeinsam ein wenig über den Durst trinken kann schon was, vor allem werden die Gespräche immer lustiger und das berühmte „Leit schaun“ wird zu einem Amüsement sondergleichen. So ging das bis nach Mitternacht, ehe dann doch die Vernunft siegte, morgen war ja auch noch ein Tag.

Beim Frühstück gab es zum Abschluss noch ein sportliches Highlight zu bestaunen, denn beim leider nicht olympischen Bock-schauen erlangte meine Freundin ein Remis gegen ihr Marmeladen-Kipferl.

Selbst wenn meine Erfahrungen vielleicht nicht die naheliegendsten waren, es war echt lässig dort; gerne wieder.

© Thomas Schützenhöfer 14.08.2019