„Sommertag“ in Ystad

Der Juli 2017 bedeutet mir im Nachhinein betrachtet so unglaublich viel, denn dort sah ich Orte und Plätze, welche ich mir schon lange ausgemalt hatte. Das wohl Prägendste an der Reise war für mich der Besuch von Ystad, der Heimatstadt von Kurt Wallander.

Die Krimis vom mittlerweile verstorbenen Henning Mankell lese ich zwar nur sporadisch, aber tatsächlich jedes Buch von ihm zieht mich in seinen Bann. Zum Beispiel „Die Brandmauer“ ist aus der heutigen Sicht aus gesehen aktueller denn je. Einfach großartig der Mankell. Die Verfilmungen der Wallander-Serie habe ich ausgespart.

Der Ort war Malmö, die Fahrt ging der Küste entlang (ja, ein deutlicher Umweg) knapp zwei Stunden gen Süden. Die schwedische Landschaft in Schonen, das raue Klima und die ebenso rauen Leute, daran dachte ich. Immer das freudige Gefühl, das Erlebnis mit jemanden teilen zu dürfen.

Schon auf der Fahrt dort hin fühlte ich mich zeitweise wie ein kleines Kind, das aufgeregt aus dem Fenster starrt und immer wieder davon erzählt, was es sich vom Ankunftsort erwartet. Die Anreise, grandios. Nieselwetter, Wind, wenige Leute und noch weniger Autos. Nur vereinzelte Dörfer, die man aber nicht an der Vielzahl der Häuser, sondern an den Geschwindigkeitsbegrenzungen erkannte. Tapfer und nett nachfragend, da keine Mankell-Leserin, ertrug die Herrin des Navigationsgeräts, meine Freundin, die gesamte Fahrt, wenngleich ihr das Regenwetter, wen wundert's, nicht sonderlich behagte.

Es war Sonntag in Ystad, die Stadt war still und das Wetter für Juli selbst für nordische Verhältnisse recht kühl. Vereinzelt sah man regelrechte Wallander-Touristen, die mit Stadtkarten und Kameras nach den Originalschauplätzen suchten. Wir entschieden uns jedoch keiner Karte zu folgen, sondern rein den Spirit der Stadt zu spüren, den mir die Bücher jahrelang gaben. Bunte Häuser, Blumen, enge Gassen, Backsteine so weit das Auge reicht und gepflasterte Straßen. Irgendwie surreal. So lange liest man davon, jetzt steht man da, aber das Bedrohliche, das Gefährliche, es war nicht zu spüren. Es war einfach eine Stadt in Südschweden, die einen fiktiven Kommissar beheimatet.

Nicht enttäuscht, wirklich nicht, und mit ein paar schönen Bildern verließen wir die Stadt Richtung Trellborg, ab auf die Fähre und zurück nach Deutschland. Gespräche über Wallander, Malmö, Kopenhagen, Ystad, die kommenden Ziele und das Wetter. Gemeinsam zurück, das war also unser Schweden-Erlebnis.

Nach der ganzen Reise schnappte ich mir etwa drei Monate später wieder einen Wallander-Krimi. Ich denke es war „Die weiße Löwin“. Plötzlich fühlte ich mich beim Verzehr der Worte dem Geschehen ganz nahe. Ich nahm eine Position ein, verortete mich im Krimi und kannte die Plätze, die Orte. Die Magie war da, Ystad war mir näher denn je. Der Juli, das Nieselwetter, die Backsteinhäuser, es war alles so präsent. Schön, was ein paar viele Sätze in Verbindung mit Eindrücken bewirken können.

© ThomasJ