Wie alles begann...Dorfleben hinterm Kanal

Bei uns auf dem platten Land gibt es oft einfache Regeln. Eine lautet: "Du erbst IMMER den Spitznamen vom Vater es sei denn man findet für dich einen noch besseren". Nun denn, wie der Spitzname meines Vaters lautete fand ich eigentlich erst heraus als ich der örtlichen Landjugend beitrat.

Eines Abends klingelte bei uns zu Haus das Telefon, ein Freund und Klassenkamerad rief mich an und fragte ob ich nicht Lust hätte zur Landjugend mitzukommen. Er wolle sich das mal ansehen und wollte wohl alleine nicht los.

Ich willigte ein mitzukommen und ahnte damals nicht im entferntesten das diese Entscheidung mein ganzes weiteres Leben bis heute beeinflussen würde.

Als wir am folgenden Dienstagabend in der Stammkneipe der Landjugend, dem Gasthaus Kuckuck welches liebevoll nach der Wirtin "bei Hanne" genannt wurde, aufschlugen, war ein Spieleabend angesetzt. Heutzutage kann sich das sicher niemand aus der jüngeren Generation auch nur ansatzweise vorstellen das sich 1984 junge Menschen zum "Mensch ärgere dich nicht" - spielen in einer Gaststätte trafen.

Wir schlugen da also pünktlich um 19.00 Uhr auf. Da mein Klassenkamerad aufgrund seiner Abstammung des örtlichen "Bauernadels" den anderen bekannt war wurde nur ich gefragt wer ich denn sei. Als Reaktion auf meine Antwort hieß es dann nur: "Ahhh, der Sohn von Pussi", somit war alles klar, ich war Pussi. Das mein Vater so genannt wurde verdankte er seinem Fußballtalent welches ihm um ein Haar bei Werder Bremen eine Profistelle eingebracht hätte. Seine katzenartige Geschmeidigkeit auf dem Spielfeld und der Drang Spitznamen möglichst kurz zu halten brachte ihm "Pussi" ein welches eine Abkürzung von Pussycat ist, wie ich später erfuhr.

Das dies nicht der schlechteste Spitzname ist wurde mir klar als ich später "Kipperschreck", "Puschen Ballermann" und weitere illustere Bewohner unseres kleinen Dörfchens hinter dem Mittellandkanal kennen lernte.

So war ich denn nun Mitglied der Landjugend. Mir wurden die zahlreichen Programmpunkte des Jahres vorgestellt und ich entschied mich schon früh der Theatergruppe beizutreten, dies allein würde schon mehrere Bände füllen und kommt später zu Sprache. Als nächstes stand die Jahreshauptversammlung an und ich wurde von meinem Vater mit den Worten "Lass die nur kein Amt andrehen", zu Hause verabschiedet. Es kam natürlich wie es kommen musste, am nächsten Tag beim Frühstück konnte ich somit berichten das ich zum 2. Vorsitzenden gewählt worden war. Das mein Vater hierüber nur mäßig begeistert war kann sie der geschätzte Leser sicherlich vorstellen. So verwundert es auch nicht das ich nur ein Jahr später zur nächsten Jahreshauptversammlung mit dem Rat meines Vaters, "Sieh zu das du das Amt los wirst", bedacht wurde.

Stolz konnte ich am nächsten Morgen beim Frühstück berichten das mir dies gelungen sei. Die Freude meines Vaters hierüber wärte allerdings nur kurz da ich zwar kein 2. Vorsitzender mehr war sondern jetzt 1. Vorsitzender.

© Thorsten Mues