Verzweigte Wege

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Verzweigte Wege | story.one

Es fühlte sich ein bisschen an, als würde ich knapp über dem Boden schweben. Meine Langlaufschier rutschten gefährlich in den vorgefertigten Spuren herum. Für mich war es ein fremdes, aber sehr schönes Gefühl. Schließlich gewöhnte ich mich an die dünnen und leichten Langlaufschier und auch die restliche Angst war verflogen. Die Gruppe machte sich bereit und dann fuhren wir endlich los.

Am Anfang kamen wir nur sehr langsam voran und immer wieder blieb die lange Schlange an einer Stelle stehen, da wir ungeübt in unseren Vordermann reingerutscht waren. Doch nach einiger Zeit entwickelte sich bei den meisten ein Rhythmus. Nun waren die Langlaufstöcke mit den Schiern im Einklang. Später warteten wir zusammen und die Lehrer fragten uns, wer noch weiter laufen möchte. Ich entschied mich bei der Gruppe zu bleiben, die weiterfuhr.

Wir waren nur wenige Kinder, aber trotzdem war es lustig. Ich gab alles, um mithalten zu können, denn einige aus der Gruppe standen nicht zum ersten Mal auf Langlaufschi. Hinter und vor uns waren anfangs noch die Lehrer zu sehen, die mit uns mitgefahren waren. Doch nach einiger Zeit sah man sie aufgrund des Nebels und der Distanz nicht mehr. Wir waren auf uns gestellt, aber zu unserem Glück konnte man sich nicht wirklich verirren. Das dachten wir zumindest. Man konnte kaum zwischen Boden und Himmel unterscheiden. Beide waren weiß und verschwommen in einander. Meine Augen zogen sich zu Schlitzen zusammen und während dem laufen war mir so warm geworden, dass ich wünschte, ich hätte keine Jacke angezogen.

Wir liefen über eine Brück, die über einen halb zugefrorenen Teich führte und rasteten dort kurz. Die Pause war auch dringend notwendig, um wieder zu Kräften zu kommen. Nach ein paar Minuten lag die Brücke wieder weit hinter uns. Plötzlich trafen wir auf eine Verzweigung. Wir waren sehr unsicher, welche Richtung wir wählen sollten. Ein paar Buben aus der Parallelklasse und ich standen ratlos um die Wegweisertafel. Schließlich entschieden wir uns abzubiegen und liefen dort weiter. Meine Atemwege brannten wegen der kalten Luft, aber das störte mich nicht. Ich wusste, ich werde nicht oft die Gelegenheit haben Langlaufen zu gehen. Deswegen versuchte ich jeden Atemzug zu genießen. Allmählich wurde ich erschöpft, als vor uns das Jugendhotel, indem wir zurzeit wohnten, auftauchte. Wie es sich herausstellte, hatten wir uns wirklich ein bisschen verirrt und waren einen längeren Weg gefahren, aber dies war in unserem Fall eher ein Vor- als ein Nachteil. Wir schnallten unsere Schi ab und liefen über die dicke Schneedecke zurück zum Vorplatz des Hotels. Dabei sank ich so tief in den Schnee ein, dass er bis zu meiner Hüfte reichte. Der Schnee war natürlich sehr kalt, aber erfrischend. Wir setzten uns auf einen Hügel aus zusammengepresstem Schnee und warteten entspannt auf den Rest unserer Gruppe. Diese Erfahrung und die wunderschönen Landschaft werde ich nie vergessen.

Hanna Bánkfalvi, Rainergymnasium, 4D

© Tigerle