Rückwärts auf der Alten Donau

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Rückwärts auf der Alten Donau | story.one

Auf der Alten Donau trifft man auf 4 Typen von Menschen. Was sie unterscheidet? Die Richtung, in die sie sich bewegen.

Zuerst einmal gibt es die Vorwärtsbeweger. Das sind diejenigen, die (vorzugsweise) am Wochenende die Alte Donau entlangspazieren. Ein bisschen Vitamin D tanken, die Beine vertreten und den ein oder anderen Schwan entzückt beim Schwimmen beobachten. Manche kehren bei einem Restaurant ein, essen ein Eis oder gönnen sich einen Drink neben dem Wasser. Das sind die langsamen Vorwärtsbewegter. Die "Gmiatlichen". Dann gibt es da die weniger Gmiatlichen. Man nennt sie auch die Sportlichen. Die bewegen sich auch vorwärts, nur eben schneller: Läufer, Radfahrer, Rollerfahrer, Inline Skater, Skateboardfahrer und natürlich auch Babys im Kinderwagen. Aber nur, wenn die Eltern zu den Sportlichen gehören. Ansonsten zählen auch die Kinderwagen-Babys zu den Gmiatlichen.

Normalerweise befinden sich am Ufer der Alten Donau ausschließlich Vorwärtsbeweger. Alles andere ist seltsam und wird nicht in meine Typenliste aufgenommen. Auf dem Wasser sieht es da ganz anders aus. Da findet man drei weitere Typen:

Die Sich-im-Kreis-Beweger. Das sind vor allem die Schwimmer, die sich mal dorthin mal dahin, mal am Rücken, mal am Bauch, mal mit Kopf unter Wasser, mal springend fortbewegen. Dabei kehren sie immer an den Ort zurück, an dem sie auch losgeschwommen sind. (Das trifft auch auf die Enten und Schwäne zu, aber das ist eine eigene Typenliste.)

Der dritte Typ Mensch auf der Alten Donau ist der Zick-Zack-Beweger. Dazu zählen die Segler, die Tretboot- und Elektrobootfahrer, die Stand-up Paddler, die fahrenden Inselboote und die Fischerboote. Sie allen bewegen sich in einem unregelmäßigen Zick und Zack. Einmal sind sie hier und im nächsten Moment schon dort. Also ungefähr so: ziiiiiick und ZACK. Das kann zu einem riesigen Problem für den vierten Typ Mensch werden, zu dem auch ich zähle:

Der Rückwärtsbeweger. Dazu gehören ausschließlich die Ruderer. Nicht die Kajak- oder Kanufahrer, sondern die Ruderer im Ruderboot, die ihr Schicksal mittlerweile schon akzeptiert haben. Und zwar: sie sitzen mit dem Rücken zur Fahrtrichtung. Ich habe vor fast 6 Jahren mit dem Rudern begonnen und habe schnell gelernt, dass das Rudern im Sommer das ultimative Nackentraining ist. Nach jedem zweiten Ruderschlag muss ich mich in meinem Boot umdrehen und schauen, ob ich nicht gerade auf einen der Zick-Zack-Beweger zusteuere. Oder noch schlimmer: auf einen der Im-Kreis-Beweger. Ruderboote können sehr schnell werden. Vor allem, wenn mehrere Menschen im Boot sitzen. Und obwohl Ruderboote sehr schmal sind, sind die Ruder selber sehr lang und nehmen viel Platz auf dem Wasser ein.

Im Hochsommer, wenn die Alte Donau nur so wimmelt von Sich-in-alle-Richtungen-Bewegern, hört man oft die Ruderer schreien: "Achtung!"

Wenn alles gut geht, bewegt sich der Ruderer rückwärts weiter. Wenn nicht, dann gibt es einen 5. Typen: Den Nach-unten-Beweger.

© TinaAusDonaustadt 05.04.2020