Happy birthday, Yugo-Dad

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Happy birthday, Yugo-Dad | story.one

Heute wäre Tato's Geburtstag gewesen. Oder auch morgen. Genau haben wir das nie rausgefunden. Eingetragen wurde der 14.Juli, damals war es durchaus üblich, Kinder erst später anzumelden. Seine Mutter weiß es auch nicht genau, bei fünf Kindern, wer passt da schon auf?

Während er einst behauptete es wäre der 13. Juli, wurde er mit den Jahren sauer, wenn man ihm an diesem Tag gratulierte. Schuld war sein Aberglaube, den er allmählich entwickelt hatte, besonders nachdem er krank wurde.

Die 13 sei eine Unglückszahl und sein Geburtstag gefälligst am 14. Juli, Schluss, Aus, Ende!

Also begannen wir ihm aus Jux irgendwann mal an beiden Tagen zu gratulieren. Das fand er weit weniger lustig als wir.

Über Tank- oder Waschanlagen-Gutscheine freute er sich immer, denn Tato pflegte jedes Auto, das er je besaß, penibelst.

Einmal beschloss ich, lieber einen Massagegutschein des lokalen Instituts zu schenken.

Als Kind hatte ich ihn häufig massiert, das heißt ich trommelte und trampelte wie eine Verrückte auf seinem Rücken rum.

Er tat dann immer so, als ob meine 'Behandlung' weiß Gott was gebracht hätte. Fünf mal die Woche eingesperrt in der LKW-Kabine, hatte er aber tatsächlich oft Schmerzen.

Überzeugt einen Volltreffer zu landen, überreichte ich ihm mein Geschenk.

Ich erwähnte bereits seine Direktheit, oder?

'Was soll das denn jetzt? ' empörte er sich.

-'Tato, da kannst sogar zu Fuß hingehen...'

Er unterbrach mich.

'Da brauch ich ja einen Termin! Ein blöderes Geschenk hab ich ja noch nicht bekommen!'

Ok, das war sogar für Tato-Hartgesottene ziemlich viel.

'Ich dachte, du freust dich!'

-'Ja schon, aber jetzt hab' ich eine Verpflichtung! Die wollen dann, dass ich ständig komme!'

Ich grinste. Das also war sein Problem. Er fürchtete, dass er die lästigen Therapeuten nicht abwimmeln konnte und ständig massieren gehen musste.

'Außerdem soll mich dein Pajo massieren! Gratis.'

Er meinte damit meinen Freund (und späteren Ehemann), einen ausgebildeten Masseur. Und er heißt auch gar nicht Pajo, aber auch aus ihm machte er einen Jugo, dies fiele ihm angeblich leichter auszusprechen als seinen richtigen Namen.

Also, nicht nur, dass er sein Geschenk bemängelte, er versuchte so ganz nebenbei auch gratis Massagen abzustauben.

Dann wäre 'Pajo' derjenige gewesen, der weiteren Terminen nicht davon gekommen wäre, so viel ist sicher.

Aber auch wenn's darum ging, andere zu beglückwünschen, war Tato einmalig.

Meiner Schwester machte er einmal zum Geburtstag ein Geldgeschenk.

Sie öffnete ihre Glückwunschkarte, die Scheine segelten dabei zu Boden und drinnen stand....nichts! Er hatte kein einziges Wort reingeschrieben.

'Tato, wieso steht da eigentlich nix Persönliches drinnen ? ' lachten wir.

-' Da steht doch eh was drauf! '

Sie klappte das Billette zu.

Ahja, da stand's ja wirklich, lapidar, in deutlichen Lettern : 'Alles Gute'.

Ja, er war tatsächlich immer ein Mann weniger Worte. In diesem Sinne: 'Alles Gute, Tato. Wo auch immer du jetzt sein magst.'

© Tinuška