Yugo-Dad, der Einfädler

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Yugo-Dad, der Einfädler | story.one

Für Tato waren die Freunde von uns Mädels nie gut genug. Entweder waren sie zu alt oder zu jung, hatten zu wenig Geld, zu schlechte Jobs, sahen zu wenig gut aus- oder eben alles zusammen. Auch wenn nichts davon zutraf.

Für jede von uns träumte er vom feschen, hochintellektuellen Prinzen auf dem weißen Ross, der selbstverständlich ein paar Ländereien besaß. Ein Adelstitel wär' auch nicht schlecht gewesen, war aber kein Muss.

Meinem Freund "Pajo" (so nannte ihn Tato) unterstellte er, dass er es nicht erst meine mit mir. Er würde mir nur meine Jugend stehlen und sich dann eine Jüngere suchen.

Anfangs nahm ich das Tato ziemlich übel. Später realisierte ich, dass er es einfach nicht besser wusste. Zu seiner Zeit wäre es unmöglich gewesen, dass ein Pärchen eine gemeinsame Wohnung bezieht und über Jahre hinweg unverheiratet zusammenlebt.

Mit den Jahren gewann er meinen Pajo aber gern. Als dieser Tato einmal ein Kompliment zu seiner Mercedes-Mütze machte, erkundigte er sich bei mir sofort nach seinem Geburtstag. Dieser ist aber im April, eher unpassend für eine Winterhaube, also besorgte Tato eine schon im Februar.

Das war eine mächtige Sympathie- Bekundung für Tato's Verhältnisse. Er kam uns dazu sogar extra besuchen. Normalerweise besuchten wir ihn, damit er nebenbei seine Serien schauen, uns seine Hausarbeit und auch seine "Überraschungen" aufdrängen konnte.

Die Freunde meiner Schwestern beleidigte er offen, bedrohte einen sogar mit "Kopf schneiden", sollte er sich nicht anständig verhalten. Und trotzdem eiferten und buhlten sie alle um seine Gunst und Gesellschaft.

Das war das Faszinierende an Tato. Jeder kennt so einen Kerl. Man(n) wollte von ihm respektiert werden. Je unguter und feindseliger er war, umso mehr wollten die Leute mit ihm befreundet sein.

Zurück zur Mütze. Tato hatte das Vorgeburtstags-Geschenk für meinen Freund besorgt und gemeinsam warteten wir, dass er von der Arbeit heim kam.

"Eigentlich" sagte ich, "könnten wir uns einen Scherz erlauben."

Tato zu überreden, war nicht sonderlich schwer. Pajo war sichtlich überrascht ihn bei uns vorzufinden. Darum funktionierte unser Plan auch so gut.

"Pajo, ich bin gekommen, um mir dir eine wichtige Sache zu bereden." begann Tato in stoischer Ruhe. "Setz dich."

Pajo schaute etwas verunsichert.

"Es sieht folgendermaßen aus: Ich halte das nicht mehr aus! Euer jahrelanges Getue und Leben in wilder Ehe! Das toleriere und akzeptiere ich nicht mehr! Pajo, du hast noch zwei Monate Frist- entweder heiratest du meine Tochter- oder sonst...Scheidung!" bekräftigte er mit einer eindeutigen Handbewegung. Man stelle sich die Szene in gebrochenem Deutsch vor.

Er hatte keine Miene verzogen. Auch Pajo zweifelte nicht an seiner Ernsthaftigkeit.

Er nahm uns den Scherz auch nicht übel, sondern freute sich sehr über die Mütze.

Und ob Tato nun dazu beigetragen hat oder nicht- nach Ablauf der "Frist" - drei (nicht zwei!) Monate später, bekam ich doch tatsächlich einen Heiratsantrag.

© Tinuška