Boarischer auf über 4500 m - Iztaccihuatl

Wenn man sich als Deutscher in Österreich richtig integrieren will, dann muss man Berge besteigen. Wenn man dann noch einen Zillertaler und einen Kärnten zu seinen besten Freunden zählt, dann reicht das einfach Bergsteigen nicht mehr aus.

Ich hatte das Glück während meiner Studienzeit in Salzburg, das Bergsteigen lieben zu lernen und so hat es nicht lange gedauert bis wir uns entschieden unseren Mexikourlaub nicht nur als Städteurlaub zu planen, sondern einen der höchsten Berge Mexikos zu besteigen, den Iztaccihuatl (5230 m).

Mein bester Freund Alex und ich planten also eine Bergtour am anderen Ende der Welt. Zum Glück leben die Eltern seiner Frau in Mexiko, die uns nicht nur halfen einen Bergführer zu organisieren, sondern es entschied sich gleich auch die Mutter - ihres Zeichens Tirolerin - uns zu begleiten.

Damit aber nicht genug. Eine Freundin aus Mexiko entschied sich spontan auch noch mitzukommen und so starteten wir unser Abenteuer zu viert.

Nach einer Woche in St. Miguel ging es dann mit dem Bus nach Mexiko City, wo uns der Bergführer und seine zwei Kollegen schon erwarteten. Nach 2 Stunden Autofahrt und ca. 1600 HM waren wir an unserem Basislager um 21:00 Uhr auf 3950 ü. NN angekommen.

Nun ging es an die Einweisung für unser geplantes Abenteuer. Der Plan war es am nächsten Tag ca. 800 HM bis zum nächsten Lager hinter uns zu bringen um dann am Folgetag bis auf den Gipfel und dann wieder zurück zum Basislager - wo unser Auto stand - zu gehen. Steigeisen, Pickl, Klettergurt, Seile, Schlafsack, viel Wasser, Riegel, Kochgeschirr, Kleidung, Jacken (Lebenswichtig, denn von Mexiko City bis zum Gipfel hat es eine Temperaturdifferenz von fast 50 °C) wurden eingepackt.

Um 08:00 Uhr ging es los. Schritt für Schritt arbeiteten wir uns Richtung Lager. Wir hatten daheim schon einige 3000er bestiegen, aber über 4000 ü. NN merkt man doch, dass die Luft dünner, jeder Schritt schwerer und jedes Kilo im Rucksack (ca. 18kg) spürbarer wird. Im Lager waren wir dann alle ziemlich fertig und es kam was kommen musste, ein Wettereinbruch mit plötzlichem Schneefall. In unserer Müdigkeit und doch getrieben von Euphorie tanzten wir im Schneetreiben den wohl höchsten (4750 ÜNN) Boarischen (Zillertaler Tanz) aller Zeiten angetrieben durch unserer zwei Tiroler.

Da das Wetter schlechter werden sollte entscheid unsere Bergführer, dass wir am nächsten morgen um 01:00 Uhr starten sollten um das Wetterfenster zu nutzen. Wir marschierten volle 5 Stunden über zwei Gletscher, viele Felsen um dann um 06:00 Uhr unseren Gipfelsieg bei -20°C zu feiern.

Ein unbeschreibliches Erlebnis.

Der Abstieg passierte dann wie in Trance. Schritt für Schritt ging es abwärts und mit der Sauerstoffsättigung in unserem Blut aufwärts. Ein unbeschreibliches Gefühl des Glücks. Auf dem Weg Richtung Mexiko City diskutierten wir dann schon über die Möglichkeit einen 6000er zu besteigen und uns war eines klar.

Urlaub ohne Bergsport wird es so schnell nicht mehr geben.

© T. Petersohn