Diagnose: bergsüchtig

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Es war mein 1 Jahr in Salzburg und ich habe mich schnell an das Studentenleben gewöhnt. In meiner Heimatstadt Düsseldorf, war Sport in meinem Freundeskreis schon ein Thema, aber es ging primär um Fitnessstudio, Fußballclub und hin und wieder mal eine Runde joggen.

Mir fiel in Salzburg schnell auf, dass es um mehr ging, wenn man von Sport sprach. So haben meine Studienkollegen regelmäßig Runde mit ihrem Rennrad gedreht, die gerne mal 150 km gingen oder zwei Tage Bergtour im Sommer mit 2000 Höhenmetern oder eben Skitouren im Winter gemacht.

Ich hatte mit Berggehen nicht sehr viel am Hut, da wir früher mit der Familie primär im Winter in Österreich waren, um Ski zu fahren. Aber um mehr Freizeit mit meinem Freunden zu verbringen führte kein Weg an einer richtigen Bergtour vorbei und auch das Skitouren sollte ich mir schnell aneignen.

Im ersten Sommer war es soweit, ein Freund und Studienkollege aus dem Zillertal lud mich zu sich ein um am Wochenende eine Bergtour zu gehen. Ich war nervös, da ich zwar recht sportlich war, aber meine sportlichen Aktivitäten sich primär in der Ebene abspielten. Dazu kam, dass mein Freund Alex quasi in den Bergen großgeworden ist und dafür bekannt war, wenn er eine Bergtour ging, dann eine "gescheite".

Ich als alter Flachlandtiroler wollte natürlich dem Zillertaler zeigen, dass ich belastbar bin und so entschieden wir uns für den Grinberg mit 1500 HM Fußweg auf den 2765 m hohen Gipfel.

Freitag Abend ging das ganze mit einer feuchtfröhlichen Runde los die etwas länger dauerte als gedacht, sodass wir nach wenigen Stunden Schlaf in den frühen Morgenstunden des Samstag Richtung Grinberg mit etwas schweren Kopf aber voller Motivation starteten!

Für Alex war es ein Heimspiel und er ging entspannt voraus, während der übermotivierte Deutsche es nach wenigen Höhenmetern mit der Tiroler Bergluft zu tun bekam. Ich habe den Weg nur noch sehr verschwommen in Erinnerung, da ich mich sehr auf die Atmung und meine Schritte konzentrieren musste. 50 Meter vor dem Gipfel war es dann aus, jeder Muskel brannte und die Lunge hatte sich schon lange verabschiedet, aber ein guter Bergführer wie Alex gibt niemals auf und sorgt dafür, dass jeder in seiner Gruppe das Ziel erreicht, sodass wir dann doch unseren ersten gemeinsamen Gipfel erreichten.

Es war ein Gefühl voller Euphorie, Freude und Stolz, welches ich so lange nicht mehr gefühlt habe. Nach einer kurzen Verschnaufpause, ging es dann wieder bergab. Mit leicht wackligen Beinen und nervösem Magen sind wir dann auf der Hütte angekommen, wo wir Alex Familie getroffen haben.

Es reichte dann trotz großen Hungers leider nur für ein Frankfurter mit Semmel, da der Körper sich gegen jeden weiteren Einfluss von außen wehrte.

Trotz der großen Herausforderung und der extremem körperlichen Anstrengung, schwärmte ich noch Tage danach von diesem Tag und so gab mir Alex die Diagnose: bergsüchtig. Das war die Geburtsstunden vieler gemeinsamer Bergtouren und sportlichen Herausforderungen.

© T. Petersohn