Ja! Ich kann meinen Namen tanzen

"Wie Waldorfschule? Du bist doch ganz normal dafür, dass du auf eine Waldorfschule gegangen bist. Ich kenne nur Leute die auf der Waldorfschule waren und jetzt kiffend und verpeilt durchs Leben rennen und mit 40 immer noch bei Mutter leben. Kannst du echt deinen Namen tanzen und mit Bäumen sprechen?"

Es sind recht harte Klischees mit denen man sich als Waldorfschüler konfrontiert sieht, wenn man dann mal den mutigen Schritt gewagt hat und öffentlich gestanden hat, dass man einer von ihnen ist. Ich habe mir über die Jahre angewöhnt - gerade wenn es um das Thema Schule geht - offen und ehrlich über meine 13 Jahre Schulzeit an einer Waldorfschule zu sprechen und die Leute über das Schulsystem zu informieren und Fragen zu beantworten.

Ich bin gerne zur Schule gegangen. Natürlich nicht jeden Tag und vor allen Dingen nicht in dem Alter wo man eher an Mädchen und Abhängen mit Freunden denkt, als an Schulbank drücken. Aber insgesamt habe ich die Zeit genossen.

Und wenn man mal die ersten Klischees abgehandelt hat, sind die Meisten ganz überrascht wie normal so eine Waldorfschule ist. Klar wir hatten Fächer wie Eurythmie, Gartenbau und Handarbeit, aber für mich spricht bis heute nichts dagegen an einer Schule nicht nur den Kopf, sondern auch das Geschick im Umgang mit Pflanzen, Stoffen etc. zu schulen.

Einmal waren wir auf einem Ausflug in ein Museum und wir saßen gemeinsam im Vorraum des Kassenschalters mit einer Schulklasse eines Gymnasiums und warteten auf unsere Lehrer. Ich hörte wie in einer Gruppe von Schülern des Gymnasiums darüber gesprochen wurde, dass wir wohl von einer Waldorfschule kommen würden. Einer in der Gruppe widersprach jedoch vehement, da er gehört hatte, dass Schüler auf einer Waldorfschule doch alle zumindest geistig, wenn nicht sogar körperlich behindert sein müssten und dies jedoch offensichtlich auf uns nicht zutreffe.

Um das Warten abzukürzen und gleichzeitig ein wenig Licht in die Gerüchteküche zu bringen, bin ich auf die Gruppe zugegangen und habe angeboten Rede und Antwort zu stehen bezüglich unserer Schulform. Siehe da, neben Namentanzen, geistiger Behinderung und Baumanbetungen war leider nicht viel Wissen über die Waldorfschule vorhanden, sodass ich einige Gerüchte beseitigen konnte und auf interessierte Zuhörer stieß. Nur das Thema Eurythmie stieß auf wenig Verständnis. Es ist auf der einen Seite das Hauptklischee, dass jeder Nicht-Waldorfschüler kennt und auf das Tanzen des Namens reduziert, auf der anderen Seite weiß niemand wirklich was dahinter steckt.

Ich werde in meiner Erläuterung hier dem Fach nicht gerecht werden, jedoch werde ich es einmal versuchen zu erklären:

Eurythmie ist eine Form der Bewegung und des Tanzes, die als Ziel hat den Schüler ein Gefühl für Bewegungen im Raum zu geben und gleichzeitig die Bewegungen mit Musik und gesprochenen Versen zu verbinden. Es gibt eine Art Gebärdenalphabet um die Verse zu untermalen und somit gilt also...

JA! Ich kann meinen Namen tanzen.

© T. Petersohn