Mit der Polizei den Voodoogeistern auf der Spur

Nach sieben Monaten Zivildienst im Krankenhaus in Benin hatte ich das Gefühl angekommen und als Teil der Dorfgemeinschaft akzeptiert worden zu sein. Das anfänglich scheu gerufene "Yovo" (Weißer), wurde nun als netter Gruß für den Fremden benutzt.

Nach einem gewöhnlichen Arbeitstag fielen mir im Vorraum meiner Hütte große, staubige Fußabdrücke auf. Ich hatte doch eigentlich abgeschlossen? Es fehlten der Laptop mit meinen Fotos die Kamera und sämtliche Ladekabel.

Die gerufene Polizei kam in Form von zwei Beamten mit Kalaschnikows und stattlicher Uniform. Nach einem Rundgang durch die Hütte war für die Polizisten sofort klar: Hier waren Voodoogeister eingedrungen! Man erklärte mir aus tiefster Überzeugung, dass diese in der Lage seien durch Wände zu gehen, deshalb würde man auch keine Einbruchspuren finden (Die Fußabdrücke spielten für Sie keine Rolle).

Die Polizisten verrieten mir, dass es einen Ort für gestohlene Ware gäbe, wo ich meine Sachen sicher wiederfinden würde. Gegen eine kleine Anerkennung wären sie bereit mich dort hinzubringen. Ich hing sehr an den Fotos der letzten sieben Monate also fuhren wir circa zwei Stunden in den Norden der Stadt, dorthin wo der "Busch“ begann.

Kurz bevor ich dachte, dass mich die Polizisten gewaltig auf Kreuz gelegt hatten, tat sich ein kleines Dorf vor uns auf. Was auffiel war, dass dieses kleine Dorf, bestehend aus drei Hütten und einen Gemeinschaftshaus, recht wohlhabend sein musste. Satellitenschüsseln, neue SUVs und elegante Kleidung verrieten mir das hier Geld im Spiel sein musste. Die Polizisten begleiteten mich in das Haupthaus und stellten mir den Mann vor, der wissen sollte, wo sich die gestohlene Ware befindet. Der Mann war ein Voodoopriester, der mich in eine Kammer im Nebenhaus einlud, um mit ihm gemeinsam meine Sachen zu finden.

Nun begann eine skurrile Zeremonie. Mit viel Rauch und sonorem Gesang bat mich der Priester immer wieder 1000 CFA Geldnoten (1,50€) in einen Korb zu werfen, damit er die Möglichkeit habe mit den Voodoogeistern, die bei mir eingedrungen waren, Kontakt aufzunehmen. Unter schütteln und singen band er ein Knäul aus Gras und Blättern, welches er mir nach der Zeremonie mit den Worten überreichte, dass er die Diebe gefunden habe und ich nun ein letztes Mal 1000 CFA zahlen müsse, um die Lösung des Rätsels zu erfahren.

Ich müsse nur dieses Grasknäul in einen Fluss weiter im Norden der Stadt werfen, nachdem ich dreimal darauf gespuckt habe. Nach Vollzug dieses Rituals würden die Voodoogeister meine Sachen innerhalb von drei Tagen in einem Beutel an meine Tür hängen, sollte dies nicht geschehen, würden die Voodoogeister eines elenden Todes sterben.

Nach drei Tagen des Wartens die große Überraschung, die Voodoogeister mussten gestorben sein, denn meine Sachen habe ich nie wiedergesehen.

© Tobias Petersohn