A Hockn.

Eine Hockn kann vieles sein. Eine Hacke zum Beispiel, ideal für Bäume fällen oder den Tisch tiefer zu legen. Es kann auch die Arbeit gemeint sein. "I geh in die Hockn", kann bedeuten, dass man zu seinem Arbeitsplatz geht, oder auch, da Wienerisch eine mehrdeutige Sprache ist, auch das Anschaffen damit gemeint sein. Im Fall der Geschichte die ich euch jetzt erzähle ist mit Hockn, ein zähes Abenteuer gemeint. Ihr seht, es ist nicht so einfach Wienerisch zu erlernen, meistens, wenn mans endlich kann, liegt man schon am Zentralfriedhof und hat eh nix mehr davon ... außer Petrus is a Wiener. Dann öffnet ein "Hearst, des da unten woar a Hockn", das Tor zu was auch immer. Zurück auf die Erde des Jahres 1976.

Wir, Norbert, Robert und i, waren 15 bzw. 14 Jahre alt und standen vor der Herausforderung, unsere Samstage feierlich zu begehen. Es half uns nicht viel, dass wir uns gegenseitig Alibis für eine lange Ausgehnacht verschafften, da man in den 70ern kaum was unternehmen konnte. Wir wohnten in Siebenhirten, da gab es die Möglichkeit zu den Heurigen nach Perchtoldsdorf oder Mödling zu gehen oder in die Disco Romanum, die auch in dieser Richtung lag, aber da mussten wir durch mindestens 2 feindliche Gebiete durch. Wenn wir mit dem 64A über Liesing fuhren 3. Hin wars ja kein Problem mit dem Umgehen der Jugendbanden, retour, nach 1 Liter Ribiselwein brauchten wir keine Gegner um in Bedrängnis zu kommen.

Gerade als wir 3 zusammensaßen und jammerten, wir waren schon junge Wiener und konnten das schon bestens, kam Norbert die Idee uns ein Auto zu besorgen und das Ausgehen damit um Stunden zu verlängern, er kannte da einen Schlurf der einen Citroen DS hatte. So legten wir unser Taschengeld zusammen und checkten das fast 5 Meter lange Teil. Den ganzen Sommer verbrachten wir das Ding fahrbereit zu machen und es gelang uns.

Der Tag der Nacht der Nächte kam endlich. Diesen Satz lassen wir kurz sacken. Norbert ließ es sich nicht nehmen höchstpersönlich das Steuer zu übernehmen um damit tanken zu fahren. Blöderweise war die Tankstelle gleich bei unserer Wohnanlage und der Tankvorgang wurde mehrfach unterbrochen um sich vor Bekannten zu verstecken. Der Tankwart schaute auch nicht schlecht, aber er war zu besoffen und gab sich mit dem Satz "Wir tanken für unseren Vater" grunzend zufrieden. Wir machten uns aus, dass jeder 15 Minuten fahren darf und dann wechselten, für Norbert und mich, Roberts Beine waren noch zu kurz. Voller Stolz fuhr ich den Ring entlang, den wir nach 5x verfahren erreicht hatten. Plötzlich schreien die Freunde "Fahr in die Kärntnerstraße. Wir wollen die Frauen von der Hackn sehen!" Also bieg ich bei der Oper geschmeidig ein und fahre ... nach etwa 200 Meter stoppt uns ein grüner VW Käfer, der Polizei.

So erfuhren wir, dass hier seit 2 Jahren Fußgängerzone ist und wir hatten wieder einmal Hausarrest. Außer Robert, der hatte wie immer Küchendienst.

Das war eine Hockn.

So war unser Wien in den 70ern, nix für die Jugend aber immer im Weg stehen.

A zache Hockn.

© Tom C. Schopper