Außerirdische unter uns?

Ja, das denke ich mir häufig. Jetzt bin ich mir sicher, dass sie unter uns sind. Sich diesen Planeten für ihre Bedürfnisse terraformen und dabei die Dummheit der Lebensform Mensch zu eigen machen.

Ein Beispiel, natürlich in einer wahren Geschichte verpackt. Ich und mein Kumpel, ein Jurist, sitzen gemütlich beim Frühstückskaffee beim Rochusmarkt, genau dort, wo ich schon einmal wegen einer guten Geschichte nachgefragt hatte. Wir diskutieren ruhig und gelassen über die Themen der Welt und auch mal über unsere Themen. Frauen. Doch zu früh gefreut ihr lieben Voyeure, diesmal gehts um die Klimakatastrophe in der wir uns, unabwendbar, befinden. Chris meint, dass ich nicht alles so schwarz sehen soll und erst als ich ihm Bilder vom Tal des Todes 200km westlich von Wien zeige (dort zerbröseln die Ennstaler Alpen), hört er mir etwas aufmerksamer zu. So auch die 3 Anzugstypen und die Anzugsträgerin vom Nebentisch.

Chris:"Und wie stehst du zur CO2 Steuer?", darauf bekomm ich einen Lachanfall, schnappe mir sein Tablett und rufe den CO2 Rechner von Greenpeace auf, der scheint mir der seriöseste zu sein. "Schau, hier meine 510 kg CO2, die ich jährlich in die Welt setze", Chris grinst und meint, dass wir dann ja 1,5 Planeten brauchen würden. Er verstummt erst als wir seine CO2 Belastung ausrechnen. Satte 5200kg, und damit liegt er noch im unteren Mittelfeld. Vom Nebentisch höre ich ein leises "Der spinnt", doch ich gebe keinen Schas darauf, das würde meine 510 kg erhöhen. Lass mich nicht abhalten mit Chris gemeinsam auszurechnen wieviel CO2 ich bei Einführung einer CO2 Steuer verbrauchen würde. Voll Spannung betrachten wir den Bildschirm, als das Ergebnis kommt wird Chris blass. 7.200kg. Er will sofort seinen Verbrauch mit Steuer ausrechnen und kommt auf 9.800kg.

Da die Hälse der Nebentischsitzer immer länger werden, halte ich ihnen den Bildschirm vor die Nase. Sie rümpfen sie nur und meinen "Die europäische Politik weiß was zu tun ist". Ich kann den Lachanfall nicht unterdrücken und frage ob sie das MERCOSUR Handelsabkommen mit Südamerika, besonders mit Brasilien kennen. Das bekanntlicherweise zur Abholzung des Regenwaldes beiträgt, durch Rodung für Weideflächen, Soja und Palmöl. Vom langen Transport nach Europa ganz schweigen.

Chris ist ein Jurist und da gibts nur Hard Facts. Er recherchiert und rechnet nach, mit Excel natürlich. "Das ergibt ja eine Steigerung von 220 Gigatonnen in den ersten 5 Jahren", meint er und zeigt mir die Tabelle. Die vom Nebentisch wollen das gar nicht wissen, meinen nur, dass wir allesamt Irre sind, die gegen die Wirtschaft agieren und wir angezeigt gehören. Chris als Jurist will da schon die genaue Rechtsgrundlage dafür wissen. Natürlich gibts keine Antwort, stattdessen wenden sie uns den Rücken zu. Chris gibt mir eine Zigarre und wir nebeln den Nebentisch ein.

Die zahlen und stehen auf. Im Nebel des Rauchs glaube ich türkis flimmernde Augen zu erkennen. "Ihr werdet schon sehen!", zischt der eine und geht.

© Tom C. Schopper