Bergsturz, Sturm und Flashflood.

Kurz nachdem ich meine innere Ruhe gefunden hatte (Unerwartete Freiheit), beschloss ich die Gunst der Stunde und den Aufenthalt in den Bergen, zu nutzen um mein Zelt in der Palfau, nahe meiner geliebten Salza, aufzuschlagen. Jetzt, da war ich mir sicher, konnte nichts mehr passieren. Ok, es hatte ungewöhnliche 40 Grad in den Bergtälern aber ich hatte endlich meine Ruhe gefunden. Das musste doch meinem Schicksal als universeller Pechvogel endlich ein Schnippchen schlagen. Gedacht, getan. Das 20 qm Zelt stand in 20 Minuten am Zeltplatz des Moarnhofs. Die Sturmschnüre waren gespannt und der Ausblick auf die Berge war sensationell.

Schnell noch die geliehenen Solarpanels aufs ausgeborgte Auto gelegt, die Akkus angeschlossen, meinen Berghut aufgesetzt, die Schmerzmittel gegen die Rückenschmerzen eingeworfen und los ging meine kleine Wanderung Richtung Erzhalden, wo ich gedachte meinen Wasservorrat aufzufrischen und die überhitzte Birne in der Salza abzukühlen. "Wenn ich Glück habe, treffe ich dort beim Kehrwasser einige Guides, die ich kenne", dachte ich mir noch und freute mich auf die Begegnungen. Nach 20 Minuten wurde es noch heißer und vom Berghut tropfte mein Schweiß auf mein Hemd wo er augenblicklich verdunstete. Leichter Wind kam auf, dankbar nahm ich das Geschenk an, wanderte, jeden Schatten ausnutzend, weiter. Als ich Erzhalden erreichte, ging ich die Stufen zur Salza hinab und setzte mich bis zum Nabel in den kühlen Fluss. Leider waren keine Rafts in Sichtweite und so wurde mir schnell fad. Kurz bevor ich wieder den Rückweg einschlug, kam eine Handvoll kleinerer Gummiboote voll mit Ungarn und legte im Kehrwasser an. Schnell kamen wir ins Gespräch. Ich erfuhr, dass die Campingplätze in Wildalpen gerammelt voll waren und sie wegen der Hitze direkt am Ufer der Salza in Schlafsäcken schliefen. Alle ungarischen Flüche entfuhren mir bis ich die Gruppe überzeugt hatte sich von dort zu verzupfen, weil es gefährlich ist und stattdessen einen sicheren Platz zu suchen. Dann trennten sich unsere Wege.

Ich kam zurück zum Moarnhof und sah, dass eine Pfadfindergruppe direkt neben mir ihre Zelte aufgeschlagen hatte. Da ich früher mal Pfadfinder war, haben die Führer und ich viel zu plaudern, als der Wind am Abend immer stärker wird und in einen Strum übergeht, trennen wir uns zur Nachtruhe.

Feste Schläge wecken mich um 2 Uhr auf. Es dauert einige Augenblicke bis ich merke, dass sich das Zelt im Orkan so weit hin und her bewegt, dass es gegen mein Gesicht schlägt. Ich krieche aus dem Zelt um die Lage zu checken und sehe, dass sich die Pfadfinder unter einem Baum, oder das was davon noch übrig ist, versammelt hat. Ein großer Teil des Baums liegt auf dem Küchenzelt, in dem GsD niemand war. Wir fragen uns gegen den Sturm schreiend, ob alles ok ist. Alles gut und ich schlafe wieder weiter.

Am nächsten Morgen sehe ich, dass die Salza 2 Meter gestiegen und braun vom Erdreich, ausgelöst von einem Bergsturz, ist.

Bin ich nun ein Pechvogel oder was?

© Tom C. Schopper