Christkind goes wrong.

In manchen Geschäften liegen bereits die ersten Weihnachtsbäckereien, daher hab ich keinen Genierer, euch, mitten in den Sommerferien eine Weihnachtsgeschichte zu erzählen.

Ich lebte in den frühen 90ern in einer Erdgeschosswohnung mit Garten. Zu Weihnachten war ein 5 jähriges Mädchen bei mir zu besuch. Daher bemühte ich mich entgegen mein schlampiges Naturell alles perfekt zu machen. Essen war fertig, der Baum stand gut gestylt aufrecht im Wohnzimmer, ihre Geschenke lagen unter dem Baum, draußen schneite es mit dicken Flocken. Kitschiger gehts ja nicht mehr, daher hatte ich auch 5kg Lametta am Start. Nein, ich wollte mir keine DiscoKugel rollen, sondern vom Baum weg eine LamettaSpur in den Garten hinaus legen. Erzeugt vom undichten Christkind. Die Illusion sollte perfekt sein, das Leben ist hart genug.

Nach dem Essen im 2. Zimmer, schlich ich mich langsam aus dem Raum. Natürlich wurde ich sofort vom Gartenzwerg begleitet. "Nein, du musst bei Mama bleiben". "Nein". "Warum nicht?". "Nein". In ihren Augen bemerke ich den kleinen Sherlock Homes durchbrechen. Ihre Mutter hatte mich gewarnt, dass das Schauspiel vom Christkind schwer aufrecht zu erhalten wäre, da ihre große Cousine ihr von der Nichtexistenz ebendieses Christkinds berichtet hatte. "Schau Verena", ihre zu Schlitzen zusammengepressten Augen mustern mich genau. "Ich muss noch schnell mein Auto wegstellen, damit das Christkind gut landen kann", sie sieht mich streng an. Ich gehe trotzdem, nur kann ich den Plan durch die Terrassentür in den Garten zu gelangen um dort die Lamettaspur weiterzulegen knicken. Panisch sehe ich auf die Uhr. In genau 12 Minuten startet der Rekorder mit dem Glockengeläute im Wohnzimmer.

Hetze bei der Eingangstüre raus, renne ums Haus, schnappe mir auf der Terrasse das Lametta und lege damit eine elegante Spur. Betrachte mein Werk zufrieden und keuchend, greife auf die Türschnalle, sie ist geschlossen. Will zurück zur Eingangstür, da höre ich laut das Glockenläuten vom Tonband und sehe durch die Terrassentüre wie die Wohnzimmertür aufgerissen wird und einen sich schnell nähernden Schatten. Das Monster auf der Suche nach dem davonfliegenden Christkind. Schnell sehe ich mich um, erblicke in Nachbars Garten einen großen Busch, hechte ohne Anlauf, um keine Spuren zu hinterlassen über die Hecke und rolle Richtung Nachbars Busch. Dort pralle ich auf Herbert, den Nachbarn.

Keuchend sehe ich ihn an. "Auch blöd gelaufen?", fragt er mich, während Verena schon im Garten nach dem Christkind sucht. "Psst" meint Herbert und zieht mich näher an sich heran. Seine Terrassentür öffnet sich und sein 4 jähriger Sohn leuchtet mit der eben geschenkt bekommenen Taschenlampe den Garten auf der Suche nach dem Christkind ab. Erst als wir schon ganz zugeschneit sind gehen die Kinder wieder hinein um weiter auszupacken.. "Das war knapp", meint H "Zum Wirten?", frage ich, er nickt.

Stunden später taumeln 2 Angeheiterte nach hause und singen stille Nacht

© Tom C. Schopper