Verzeiht mir.

Ich habe sie gesehen, die Berge, die blühenden Wälder und auch die frische Luft, die mir bei meinen Abenteuern ins Gesicht blies. Habe Sommerwiesen betreten, mich hineingelegt ins saftige Leben, geträumt. Geträumt von noch besseren Tagen, von noch mehr Glück und war unzufrieden. Unzufrieden, weil da noch mehr Freude und Glück war, das es zu erobern galt. Noch mehr Adrenalin und ich vergaß. Vergaß, dass das alles hier auf Erden nur eine Leihgabe war und ist. Vergaß auf folgende Generation und vor allem, ich vergaß nachzudenken. Nachzudenken, ob die Worte der Regierenden auch Sinn machten.

Ich hatte ja mein Glück, oder zumindest den Verdacht wo das Glück denn auf mich warten sollte. Immer mehr musste es sein und auch werden, denn aus mir heute noch unerfindlichen Gründen, liegt das Glück nach unseren selbst gewählten Führern im immerwährenden Wachstum, im immer größer werdenden Reichtum der Oberen. Ok, ein Baum kann wachsen aber auch nur zu einer bestimmten Höhe, Wiesen können wachsen und dennoch wachsen die Wüsten schneller. Auch der Meeresspiegel wächst. Wohl dem der nicht davon betroffen ist, auch wächst der Schrei nach Hilfe, den kaum noch wer hört, denn es wird ja soviel geschrien in den letzten Jahren. Nachgedacht wohl weniger. Wenn, dann nur mit einem Auge am Wachstum, nicht auf den Wechselwirkungen. Wechselwirkungen auf die Menschen, die Natur und das Denken der Menschen. Laut haben wir alle Warnungen als Terrorismus abgetan, noch lauter waren Rufe nach Bestrafung all derer, die die Warnungen laut ausgesprochen hatten. Daher musste jedes Wort refraimt werden, bis das Haus nicht mehr brannte, sondern nur mehr spontan oxydierte. Im brennenden Haus suchten wir uns neue Tapeten aus, diskutierten über die Farbe des Bodens und investierten in neue Einrichtungsgegenstände. Investoren wurden für das brennende Haus gefunden, sie wollten nur das Land auf dem das schnell oxydierende Gebäude stand. Natürlich bekamen sie es, denn es war ja Wachstum. Sehen konnte es außer den Oberen kaum wer, denn die Menschen wurden mit Worthülsen, Phrasen und leeren Versprechungen zugedröhnt. Ja, auch ich. So blieb ich stumm, die wenigen Versuche die Logik wieder aufzuwecken brachten mich an den Rand der Gehorsamkeit und in Haft.

An und für sich eh egal, aber wir stehen kurz vor der KI, die sieht es anders, da bin ich dann ein Terrorist. So fällt das Karma wieder zurück auf die Schweiger, wie ich. Was habt ihr, ihr die jungen Menschlinge davon? Nichts. Nichts außer zerbröselnden Bergen, verdorrten Wäldern und verseuchter Luft. Sommerwiesen, die Privatbesitz sind und das Glück weit weg.

Ich schreibe vor Demut kniend, weine ob meiner Feigheit und bitte euch Jungen um Verzeihung. Nichts wird euch den Planeten, das Raumschiff Erde wieder zurückgeben. Auch das weiß ich. Ich kann nur eines tun. Vorleben und all die blinden und tauben Menschen aufzuwecken. Aufzuwecken, damit sie klar sehen was sie, so wie ich, angerichtet haben.

Verzeiht mir bitte.

© Tom C. Schopper