Das unerwartete Fest.

Im Frühjahr 2013 also den Maya Weltuntergang gerade hinter mich gebracht, rief mich gegen 20 Uhr mein bester Freund Chris an. Er holt mich in 5 Minuten ab, damit ich aus meinem DepressionsLoch herauskomme und wir sind bei Ines zu einer Party eingeladen. Das macht er immer so, während er sich 2 Stunden lang stylt habe ich 5 Minuten um das Loch auf meiner Couch zu verlassen, mich anzuziehen und die Schuhe zu putzen. Natürlich sagt er mir beim Einsteigen, dass ich fesch ausschaue aber an seinem spitzbübischen Grinsen weiß ich, er schwindelt. Mir egal, mein Herz ist vergeben und er muss sich halt noch ausleben.

So erreichen wir die Kaiserstraße im 7. Bezirk. Da das Haustor schon zugesperrt ist und es keine Türglocken gibt, hat Ines ein Seil heruntergelassen an dessen Ende sich eine Glocke befindet. Wir ziehen daran und nach gefühlten Ewigkeiten öffnet sich das Fenster im 1. Stock. Lautes Stimmengemurmel tönt auf die Straße zu uns herunter. Ein uns unbekanntes Gesicht erscheint, sagt irgendetwas auf Englisch und verschwindet wieder. Gerade als ich mir überlege das Haustor mit der Scheckarte zu öffnen geht es auf und ein bekanntes Gesicht erscheint. Davide, ein Design Ingenieur aus Italien grinst uns freundlich an und wir fallen uns in die Arme. Er spricht zwar kein Wort Deutsch, aber die Sprache des Herzens ist viel verständlicher. Endlich betreten wir das Haus und als Davide die Wohnungstüre im 1. Stock öffnet, schlägt uns ein Stimmengewirr aus unzähligen Sprachen entgegen. Ich schau Chris an, der grinst noch breiter und meint "Heut kannst dein Englisch perfektionieren", das sagt er zu mir, der sich nicht einmal ein Glas Wasser in dieser Sprache bestellen kann und schiebt mich in die große und dennoch pumpvolle WG hinein.

Auf der Suche nach der Gastgeberin steige ich so ziemlich jeder Nationalität auf die Zehen, Deutsche, Engländer, Italiener, Rumänen, Bulgaren, Polen und sogar den amerikanischen Opernsänger, den ich Gott sei Dank sogar kenne. Joe führt mich zu Ines, die umtriebig durch die großen vollen Zimmer huscht und schaut, dass jeder zu trinken hat. Sie meint "Lauter tolle Leute hier, unterhalt dich gut", und ist wieder weg. Chris finde ich auch nicht mehr und Joe zieht mich durch die Menge, stellt mir Menschen vor, die alle sehr freundlich sind, nehme ich mal an, denn ich verstehe sie nicht. Ich versuche mir den Weg zur Küche, in der geraucht werden kann, zu bahnen, dabei kommen mir viele Leute entgegen, die alle Musikinstrumente in der Hand haben. Gerade als ich mir die Zigarette anzünde, ertönt Musik aus dem großen Zimmer. Ich sehe, dass Menschen aus unzähligen Nationen gemeinsam zu musizieren beginnen und der Groove reißt mich mit. Menschen lächeln sich an und ich spüre ihre offenen Herzen. Plötzlich verstehe ich sie alle, kann mich mit ihnen unterhalten, Erfahrungen austauschen und lernen. Meine Depri ist weit weg.

Ich liebe diese Vielfalt die uns dieses vereinte Europa bietet und allen Gegnern rate ich Ines' Feste zu besuchen.

© Tom C. Schopper