Festplatte.

Mit einem leisen und dennoch spektakulären Brzzzzz, begleitet von kleinen Lichtblitzen, weil solche Ereignisse immer ein Lichtspektakel brauchen, verabschiedet sich mein SchreibLaptop von dieser Welt. Lang starre ich das nun zu Schrott gewordene Quantenwunder an, während in allen mir bekannten Sprachen das Wort "Scheiß" aus meinem zu ungläubigen Staunen verzerrten Mund dringt. Göttin sei Dank speicherte ich jede halbe Stunde die neuesten Schreibdaten auf mindestens 4 externen Datenträger und Trägerinnen.

"Und was jetzt?", frage ich nicht nur mich, sondern auch mein Schicksal, das sofort einen Namen hat. "Christian", mein Freund und Träger hervorragender Ideen. Noch bevor ich das Handy schnappe um ihn anzurufen, betrachte ich das Kommunikationsgerät von allen Seiten. Es könnte ja gut sein, dass sich die Technik, die ich immer verdächtige sich gegen mich verschworen zu haben, nun den Aufstand eingeleitet hat. Würde ja gut zu meinem letzten Text am Laptop passen. So stoße ich das am Tisch liegende Handy vorsichtig mit einem Finger an. Es verhält sich verhaltensunauffällig, explodiert nicht und voller Mut schnappe ich es, rufe Chris an. Er geht ran und meint, nachdem er von meinem Pech erfahren hat, dass ich ruhig und besonnen bleiben soll … dann lachen wir 2 Minuten … und er seine Freundin frägt, ob sie einen ihrer Laptops entbehren kann. Sie kann. Sie bringt ihn mir sogar in der nächsten Stunde vorbei, nachdem sie alle persönlichen Daten gesichert hat.

Voller Freude, packe ich den Elektroschrott und bringe ihn zur Sammelstelle bei mir ums Eck. Als Romana kommt und mir das neue Teil bringt, fragt sie mich, ob ich den alten noch habe. "No, der ist schon weg", sag ich ihr grinsend. "Hast du eh die Festplatte vorher ausgebaut?", fragt sie. "Wieso, der is doch hin". "Weil da noch alle Daten von dir drauf sind ...", gib sie entsetzt zur Antwort. Den Rest hör ich nicht mehr, da ich zum Sammelcontainer hetze. Der MA Mann grinst und wünscht mir viel Spaß beim Suchen als ich in den vollen Container abtauche. Nach 20 Minuten stehe ich wieder vor Romana, zerkratzt und dennoch den alten Lap in Händen und mache voll Freude einen Lapdance.

"Du musst sie ausbauen und zerstören", unterbricht sie mich. "Und wie zerstören?". "Dir wird schon was einfallen, ich muss jetzt wieder zum Job", sagt sie und geht. So vergrabe ich sie im Wald. Bis mir wer sagt, dass die Daten etwa 20 Jahre brauchbar sind. Natürlich grabe ich sie wieder aus, bei Vollmond, zufälligerweise. Auch das Versenken kommt nicht infrage. Ich lege sie 4 Tage auf einen Transformator, auch das funkt nicht. Ich trage schon den Gedanken in mir sie dem Papst zu schicken, dort verschwinden ja viele Informationen.

Verzweifelt sitze ich am Sessel und sehe die Festplatte an. Bilde mir ein sie lacht mich grad aus. Das ist genug! Nehme meine Axt und zertrümmere sie. Das war vor 10 Jahren. Gestern erfuhr ich, das ist noch nicht genug.

Ich werde sie nun einem Freund, dem Silberstein schicken. Soll der doch ...

© Tom C. Schopper