Flügel oder "Wie is Ihnen denn?"

Man sieht sich immer 3x im Leben. Ja, richtig gelesen 3x ists. Das erste mal immer zufällig. Das zweite mal zumeist überraschend und wenn man denkt, das wars schon, kommt das dritte mal, das weder zufällig noch überraschend ist. Es ist zumindest von einer Seite aus gewollt.

Ich wollte es unbedingt. Ihn an das erste mal erinnern und besonders für das zweite mal danken. Ihm in die Augen sehen, seine Hand dabei schütteln und sagen "Danke, dass du mir damals eine Stunde deiner wertvollen Zeit geschenkt hast und mir so wahrscheinlich das Leben gerettet hast", da es in meinen Geschichten immer anders kommt, als man zuerst erwartet hat, geschieht diesmal eh das, was man erwartet hat. In diesem Fall ich.

Naturgemäß nutzte ich die Chance im Zuge eines Wettbewerbs das dritte mal herbeizuführen. Erwartungsgemäß war es nicht einfach. Logischerweise war es schwerer als erwartet. Glücklicherweise und das wissen nur die Göttinnen, gelang es mir. Juhu!

Ja, juhu und was jetzt? Wie bereite ich mich vor? Wie geh ichs an, ohne mich zu blamieren? Nicht, dass ich diese Übung nicht drauf hätte, meine Leser wissen wovon ich schreibe. Was ist, wenn er sich nicht mehr erinnern kann? Was ja eher zu erwarten war. Was ist, wenn er sich meiner erinnert, die Flügel ausbreitet und elegant aber dennoch mit gewisser Panik davonfliegt? Was, wenn er mich ignoriert? Ihr seht, ich hatte mehr Gedanken als ein Mittelschüler beim First Date mit der Schulsprecherin.

So gehe ich zu dem Treffen. Freue mich auf mir noch unbekannte Menschen deren Geschichten und Leben ich bereits in mein Herz geschlossen hatte, doch das ist eine andere Geschichte. Trotz allem bin ich cool, versuche authentisch zu sein. Ok. nicht zu sehr authentisch, will ja nicht unangenehm auffallen. Sehe im Vorbereich des Lokals ein vertrautes Gesicht und freue mich. Ein toller junger Mann erzählt von seiner abenteuerlichen Anfahrt und meine Gedanken bezüglich des dritten Aufeinandertreffens sind verflogen. Grad als ich mich vollends entspanne kommt er. Er schüttelt Hände, während ich mich hinter Martin verstecke. Leider ist Martin zwar sehr groß aber auch sehr schlank und mein Verstecken hat maximal einen homöopathischen Effekt.

Ich erinnere mich, dass ich Guide, Führer und Trainer bin, krame den Alfa in mir hervor, reiche ihm die Hand "Hi, ich bin Tom". "Tom Schopper?", fragt er kurz und grinst mich megafreundlich an, das wiederum einen weiteren Entspannungseffekt auf mich hat. Er hat noch einiges zu checken und organisieren, während weitere tolle Menschen eintreffen. Im Laufe des Abends lerne ich all die Menschen hinter den Geschichten kennen, wertschätzen und auch lieben. Dann ergibt sich der Moment in dem ich ihn alleine sprechen kann. Sein direkter Augenkontakt, die Offenheit, das Herzliche und auch seine lockere Redensart öffnen meine Flügel und ich kann endlich meinen Dank aussprechen.

Man sieht sich immer 3x. Beim Gehen sagt er zu mir, dass es manchmal auch öfters sein kann, im Leben.

Danke Mat

© Tom C. Schopper