HalloWien!

Es ist wieder einmal soweit und ich getraue mich eine Lesung zu machen.

Warum schreibt der Nichtsscheißer trauen? Ganz einfach. Das Kunstcafe, wo ich diesmal lese, laut, klar und deutlich, ist so klein, dass ich mich nicht am Ort der Lesung umziehen kann und muss im verwegenen, dunklen KapuzenUmhang hinfahren. Öffentlich, eh klar. Bei der letzten Lesung, vor Monaten, brachte mich das fast auf die Psych und nur weil mein Gesicht auf dem Buchcover ist, glaubten mir die motivierten Beamten meine Geschichte, die eine ganz andere Geschichte ist.

Ich habe die heutige Lesung daher auf Halloween verlegt, in der Hoffnung, dass mein Outfit nicht so auffällt. Das denk ich mir als positiv schwingendes Wesen und verlasse im argen Outfit das Haus. Die erfahrenen Tom Schopper Leser wissen, dass es der Auftakt zu einer bemerkenswerten Geschichte ist. In der du dich JETZT befindest.

Ich sehe bereits die U-Bahn Station vor meinereinereins, spüre die Blicke der Passanten im Rücken, auf der Seite, im Brustkorb, eigentlich überall. Höre eine Frau, die mit 2 Kids im Plastikoutfit und Hamburger in der Hand, mich links überholt "Wenns ned aufessen tatats, kummt der Schiarche da und frisst eich zsamm!". Mein Ego knallt in seltsame Höhen hinauf. In tiefer Theaterstimme antworte ich "Und wenn die Mama ned endlich kochen lernt, kumm i a!", und sehe das Trio in hoher Geschwindigkeit ums nächste Eck zischen. Jetzt bin ich vollends motiviert und in meiner Rolle. Hole den Totenkopf eines kleinen Drachens aus dem schwarzen Rucksack und klemme ihn mir unter die Achsel. Naturgemäß hab ich in der U-Bahn einen Wagen für mich alleine. So kann ich mir den Text "Sein oder nicht sein", klemmen und verliere mich in Gedanken auf die bevorstehende Lesung. In Erdberg steig ich aus und genieße es, wie sich die Menschenmasse vor mir teilt. Oben auf der Rolltreppe kann ich nicht anders, lache laut und schau, dass ich vom Ort der Peinlichkeit wegkomme. So gehe ich durch die kleinen Gassen und sehe bereits das Cafe weit vor mir. Bleibe stehen und rauche noch eine, zur Beruhigung. Da öffnet sich die Haustüre und spuckt 3 kleine weinende Kids aus. "Ja, was ist denn los?", frage ich und sehe mir die Outfits an. Naja, da hat sich kein Elternteil Mühe gegeben. Eine Prinzessin, eine Dracula Darstellerin und ein Zombie Sheriff. Der Sack mit Süßigkeiten logischerweise leer. ich schaue den Totenkopf an und er nickt.

So betreten wir zu 4. das Haus und läuten an der 1. Tür, wo nach Angaben der Mädchen ein Grauslicher wohnt. Mit einem "Hearst, schleichts eich! I hob ..." öffnet sich die Türe. Er verstummt als er mich sieht. "Darf ich vorstellen, des wor ihr Nachbar, der a nix geben woit. Wie moch ma jetz weida?", und deute auf den Totenkopf.

Nach 1 Stunde und weiteren Häusern waren die Sackerln der Kinder voll.

Als ich das Cafe betrete, ist es leer.

So setze ich mich an den Lesungstisch und mampfe meine redlich verdienten Süßigkeiten. Denke dabei an das goldene Wiener Herz, das ab und zu einen Schubser braucht.

© Tom C. Schopper