Hoffnung.

Was ist Hoffnung eigentlich?

Ist Hoffnung, wenn du ein Blatt Papier gießt und hoffst, dass es wieder ein Baum wird, oder bist du schon eher ein Opfer einer Bildungsreform? Die Wikipedia meint zu diesem Thema: Hoffnung (vgl. mittelniederdt.: hopen „hüpfen“, „[vor Erwartung unruhig] springen“, „zappeln“) ist eine zuversichtliche innerliche Ausrichtung, gepaart mit einer positiven Erwartungs­haltung, dass etwas Wünschenswertes eintreten wird, ohne, dass wirkliche Gewissheit darüber besteht.

Hm. Das geht ja schon Richtung Glauben. Weder hüpfte ich heute Morgen, noch zappelte ich, dennoch kam Hoffnung in mir auf. Nein, nicht die Hoffnung noch Kaffee in der Dose vorzufinden. Das wäre ja bereits ein Wunder gewesen. Auch nicht die Hoffnung, dass das Echo vom Eiskasten nicht seiner Leere entspringt, sondern, dass mir ein saftiges Steak antwortet. Da wäre ich ja im Schlaraffenland gelandet, was schon wieder in die Nähe eines Wunders käme. Und dennoch kam es viel besser als erwartet.

Schlaftrunken, von irgendetwas muss der Antialkoholiker ja berauscht sein, öffnete ich meine Mails. Werbung, Anzeigen, Nachrichten von irgendwelchen Frauen, die mir sagen, dass sie nur auf mich gewartet haben und ich mich kostenpflichtig anmelden soll, damit sie mit mir in Kontakt treten können. Ich denke kurz an die Opfer der Bildungsreformen und lande beim Onkel aus Afrika, der mir mitteilt, dass seine Geldscheine leider schwarz geworden sind und ich mich an der Säuberung beteiligen kann. Eh nur 2.000 US Bucks. Kopfschüttelnd lese ich den Maileingang weiter, übergehe den Enkel der irgendwo eine Autopanne hat, und seine Frau schwanger in den Wehen am Rücksitz liegt, während Polizeihubschrauber über ihn kreisen, da er die 1.000.- Euro Parkstrafe nicht zahlen konnte. So lande ich bei Spendenaufrufen von Politikern, die mir Jahre zuvor alles genommen hatten. Bevor ich zu kollabieren beginne scrolle ich weiter und lese, dass ich mich bei der Bank XXXX neu anmelden muss, diesmal mit KreditkartenDaten, sonst wird mein Geld eingezogen. Was für Geld? Der Lachanfall ist groß und ehe ich finde, dass ich genug für heute unterhalten worden bin sehe ich das Mail.

"Liebster", Betreff: Neuigkeiten. Gesendet am 12.9.2019, 0:24 von xxxxx xxx.

Der Schweiß rinnt mir von der Stirne in die Augen. Hektisch und mit zittrigen Fingern wische ich ihn ab. Meine Atmung wird stoßartig, Tränen laufen mir über die Wangen und tropfen unbeachtet auf die Tastatur. Weinend stehe ich wackelig auf, umrunde mehrfach den Tisch und suche nach Fassung. Als ich sie irgendwo gefunden habe, setze ich mir wieder an den Laptop, atme tief ein und aus und drücke auf "lesen", in Erwartung traurigster Nachricht halte ich dabei meine Augen geschlossen. Wage sie kaum zu öffnen, doch es muss gelesen werden.

"Hallo Liebster. Werde morgen aus der Intensiv in die normale Station verlegt. Niere und Leber erholen sich. Liebe dich."

Ich weine. Diesmal sind es Freudentränen.

Ja, das ist Hoffnung

© Tom C. Schopper