Lost in the wood.

Die Sommerferien in Keutschach liebte ich . Meine Eltern und ich fuhren nach Dobein um am Campingplatz für 6 Wochen zu zelten. Dort trafen wir die Schwestern meiner Mutter und besonders freute ich mich auf den gleichaltrigen Cousin. Sie kommen von Mannheim angereist, und die Freude groß. Zusammen erlebten wir jede Menge Abenteuer, standen auch in Konkurrenz, wer denn wohl der Chaotischste von uns beiden war.

Ein fixer Bestandteil war das Schwammerlsuchen in den naheliegenden Wäldern. Nach Regenfällen ging es los. Jeder mit Korb ausgestattet durchkämmten wir die Nadelwälder. Natürlich kam es zwischen Michael und mir zu einem Konkurrenzkampf wer die meisten Pilze fand. Diesmal musste ich gewinnen. Dermaßen motiviert brachen wir am frühen Vormittag zu Fuß auf.

Nach 2 Stunden stellte ich fest, dass Michaels Korb schon voller Eierschwammerln war, während meiner, selbst unter Optimisten noch halb leer war. So entfernte ich mich von der Gruppe. Oh, da leuchtet etwas gelb. Sofort hin und abgeerntet. Oh, da weiter oben wieder Schwammerln. Oh, da ganz links noch mehr. Ich blieb stumm und schrie nicht wie die anderen, wenn sie etwas gefunden hatten. Ich wollte Michael nicht auf meine Funde aufmerksam machen. So kam es, dass ich die anderen nicht mehr hörte.

Nach Stunden war mein Korb gehäuft voll, die Trinkflasche leer und ich beschlosss mich den anderen wieder anzuschließen. Ich stand in einer Senke, überall dichtbewaldete Hügel und der Wald wurde immer dusterer. Ja, nach rechts da musste ich mich wenden, dann würde ich wieder auf den Weg zum Campingplatz stoßen.

Den Fehler bemerke ich erst als die Sonne untergeht und sich die Dunkelheit über den Wald legt. Ich traue mich nicht laut zu schreien, denn, wenn Mama mich zuerst entdeckt, bekomm ich die Hucke voll.

Doch jetzt werden meine Rufe immer lauter. Sie verhallen unbeantwortet. So stolpere ich von Baumwurzel zu Baumwurzel und lande in einem tiefen Riss im Waldboden. Mit dem Verbandzeug aus meiner Pfadfindertasche verbinde ich meine Kratzer so gut es geht und weine. Der Wald beginnt zu leben. Geräusche, knarren und weit entfernter Donner lassen Bilder in meinem Kopf entstehen. Da. Direkt über mir raschelt es plötzlich. Ich erhebe mich und renne so gut es geht, das Rascheln verfolgt mich, bis ich auf eine kleine verlassene uralte Blockhütte stoße, die halb im Riss hängt. Klettere panisch hinein und presse mich gegen die feuchte Holzwand. Aufkommender Wind übertönt das Rascheln das direkt vor der Hütte geendet hatte. Jedes mal, wenn ich mich bewege, raschelt es direkt vor der Hütte. Es wartet auf mich. Schweißgebadet sitze ich und traue mich nicht zu atmen. Jede meiner Bewegungen wird mit Rascheln quittiert. So vergeht die Nacht. Erst als der Morgen graut verschwinden die Geräusche und ich höre Papa meinen Namen rufen. Er findet mich und ich erfahre, dass ich 2 ganze Tage verschwunden war.

Ich weiß bis heute nicht was am 2. Tag geschehen war.

Den Wald betrat ich erst 25 Jahre später wieder.

© Tom C. Schopper