Meine 1. Lesung.

Wissen Sie was seltsam ist?

Seltsam kann vieles sein, da brauchen wir jetzt nicht den philosophischen Ast suchen, auf den wir uns raufsetzen können und den unter uns Stehenden auf den Kopf zu pullern. Und jetzt schnurstracks zur KernFrage:

Was ist seltsam?

Ist da etwas beim Urknall fehlgelaufen? Einen Zauberer beleidigt? Letzteres würde so einiges Seltsames auch recht gut erklären. Im Zuge des RUNA Projekts benötigte ich ein Schloss für Fotoshooting, göttingesteuert lief ich Stunden später einer Freundin über den Weg. Einer echten Kriegerin. Seit Kurzem auch Schlossherrin. Ich soll sie doch gleich morgen alleine besuchen kommen, kommt sie direkt zur Sache. Doppelte Freude. Mitten in meine Freude fragt sie mich, ob ich Angst vor Hunden hab, sie hat 2 süße Mäuse im Schloss. Ach was, ich hab einen Bärenhintern überlebt, vor was soll ich mich noch fürchten?

So stehe ich am nächsten Morgen pünktlich vor der, in dezenten Kaisergelb gehaltenen Mauer, und warte auf die Schlossherrin. Nach einer halben Stunde gewinnt der Gedanke, über die Mauer zu klettern, viele Synapsenschaltungen hinzu und demokratisch entscheide ich, das auch zu tun. An manchen Stellen ist die Mauer nur 4 Meter hoch und ich entdecke 300 Meter entfernt die einzige geeignete Stelle dafür. Mein Bein tritt unter dem Gras, gegen etwas Weiches. So stehe ich 10 Minuten später wieder vor dem großen Holztor, mit pochenden Herzen, keuchendenden Atem und der Begegnung mit unzähligen Äskulapnattern reicher. Hätte sich jetzt ein Abenteurer aus den Nattern ein Seil gemacht oder wäre das etwas zu seltsam? Diese Frage kann ich mir nicht mehr beantworten, denn die schwere Eingangstüre in den Schlosshof, geht knarrend auf. Die Schlossherrin, umarmt mich und führt mich in den 1. Innenhof, dort erzähle ich ihr von meiner Idee die Mauer zu übersteigen. Sie lacht und meint, dass das ihren Mäusen gut gefallen hätte. Und während ich so denke, mich beinahe schon der Philosophie hingeben möchte, was sie mit den Mäusen gemeint hat, verdunkelt sich der Durchgang Schlosshof. 2 gewaltige Rotweiler, so um die 65 Kilo, nehmen Kurs auf mich. Die Mäuse. Während des Schlossrundgangs bleiben sie dicht an meiner Seite, wenn ich stehen bleibe, schieben sie mich weiter.

Als wir die riesige Bibliothek erreichen meint die Freundin, dass ich eine Lesung machen kann, hier im Schloss. "Ich hab das noch nie gmacht", sage ich und bekomme "Dann beginn heute gleich damit und lies den Mäusen was vor", zur Antwort. Was ich auch langsam beginne. Die beiden riesigen Hunde sehen mich interessiert an. Jedes mal wenn ich im Text innehalte knurren sie dezent. Ich denke, es ist meine Stimme die sie so fasziniert und erzähle ihnen etwas anderes, statt im Buch weiterzulesen. Sie knurren und stoßen mich an, geben erst Ruhe als ich im Text weiterlese. Am Ende des 1. Kapitels merke ich, dass sie mich fasziniert anstarren.

Das finde ich seltsam, besonders, dass sie mich nachher voll lieb hatten und mich nicht auffraßen.

Seltsam

© Tom C. Schopper