Pa-iiik.

Heute hat er mich wieder gerufen. Wie immer, wenn etwas Arges im Entstehen ist, weckt er mich mit Albträumen auf. Diesmal sind es brennende Welten, die im Hass versinken.

Oh, Mann, das klingt ziemlich mental daneben. "Holt den psychiatrischen Notdienst!", rufen die einen, während der Rest sicher gute Tabletten für mich hat. Dem würde ich zustimmen, wenn, ja wenn es das Wörtchen wenn nicht gäbe.

Begonnen hat es in den späten 80ern als er bei einem Winterbiwak in den Ennstaler Alpen zum ersten mal gekommen ist. Es ist 2:30, ich weiß es wie heute, als Pa-iiik laut in meinen Träumen brüllt. Ich versteh ihn nicht. Er schickt nur Bilder. Es sind Bilder in denen ich lebendig begraben werde, laut schreiend wache ich auf, wecke Franz, der neben mir im kleinen Biwakzelt, tief vermummt im Winterschlafsack grunzt. Franz zieht mich aus dem Biwak und will mich mit Schnee einreiben, damit ich wach werde. Da hören wir den dumpfen Knall. Der Abbruch der Gipfelwechte nimmt sogar Einfluss auf den Luftdruck. Gerade noch können wir die rettenden Felsen nahe des Biwaks erreichen, dann kommt der Schnee. Vom Biwak ist nachher nichts mehr übrig.

Jahre später lässt Pa-iiik mich aufwachen kurz bevor meine damalige Freundin einen Herzinfarkt bekommt. Der Notarzt meinte später, das es sich um Minuten gehandelt hat.

Solche Fälle kommen immer wieder. Ich frage nicht nach, erzähle es, außer mir bekannten Universitätsprofessoren niemand. Bis ich eines Tages selbst unter der Hoffnungslosigkeit zusammenbreche und mit massiven Burn out im Spital lande. Dort wird mir klar, dass ich ein Wunder brauche um wieder auf die Beine zu kommen. Nach 3 Wochen bin ich wieder daheim, organisiere mein Leben neu und beschließe zu schreiben. Naja, die Texte sind für die Fische. In den nächsten Monaten entsteht, außer auf Papier geschriebenen orthografischen Missgeschick nichts. Genau am Tag als ich damit aufhören will kommt er wieder. Pa-iiik. Und diesmal warnt er mich nicht, sondern erzählt mir eine Geschichte, seine Geschichte, die Geschichte der größten Liebe aller Welten. Nach 3 Tagen weckt mich mein bester Freund Chris auf, er hat meinen Wohnungsschlüssel da ich alleine lebe. Rund um mich liegen eng vollgeschriebene Hefte.

Nach 2 Jahren habe ich sie endlich alle entziffern können. Zu unglaublich die Geschichte. Ich lege sie im Schreibtisch ab.

Wochen später hat er mich wieder geweckt, ich lese die Hefte nochmals, diesmal habe ich Internet und kann recherchieren. Ich erkenne die klaren Zusammenhänge zwischen dem schnellen und mysteriösen Verschwinden der Brandkeramiker in der Steinzeit in der Pfalz und den grausamen Blutopfern im steinzeitlichen Wien. Und beginne die Texte Pa-iiiks zusammenzufügen, denn nun ergeben sie einen klaren Sinn. Meine Recherchen führen mich weltweit herum, habe Zugang zu alten Schriften und Menschen, die sie mir übersetzen können.

Seit 2009 schreib ich an der LiebesGeschichte und Pa-iiik ist nicht mehr gekommen.

Heute kam Pa-iiik wieder

© Tom C. Schopper