Schiessana!

Das Flugzeug landet, 12 Komiker applaudieren und während ich mich so frag was es da zu klatschen gibt, der Pilot will ja auch heil nach hause kommen, schweift mein Blick aus dem Fenster auf das hell beleuchtete Areal vom Flughafen Schwechat. Mein Herz klopft, weil es grad eh nix anderes zu tun hat, stärker. Meine Gedanken sind schon weit entfernt, weil der Flughafen optisch nicht so der Holler ist. Sie sind im Zentrum Wiens. Nicht so bei den TouristenHorden nahe des Stephansdoms, sondern in den kleinen Seitengassen, wo man noch ab und zu echte Wiener antrifft. Wie sehr habe ich mich danach gefreut, sogar ersehnt. So steige ich in freudiger Erwartung aus dem Flugzeug und merke wie meine Schritte immer schneller werden. Endlich. Kurz überlege ich den Boden zu küssen aber lasse es, denn das hier ist ja noch nicht Wien. Nur öliger Asphalt und die Gefahr groß auf dem heißen schmutzigen Boden mit den Lippen kleben zu bleiben.

Rückblende:

7 Tage Berlin, Potsdam um genauer zu sein. Wunderbar herrliche Stadt. Holländerviertel, Künstlerhäuser, die mit ihrem charmanten Ziegelsteinlook, maximal 1 stöckig, mit der Sonne um die Wette strahlen. Alles sauber, nett und akkurat. Spaziergänge in den schönen Gärten des alten Fritz, beim Nauener Tor im besten Lokal ein Wiener Schnitzel gegessen. Naja, das genau so weit von einem Wiener Schnitzel ist, wie Wien selbst. Homöopathisch eventuell, genauso wie die Sachertorte, aber ich bin schon froh, dass mich die Menschen hier verstehen. So steh ich auf und besuche Babelsberg. Wunderschön, doch das alte Flair dieser ehemaligen kleinen Filmmetropole ist genauso weit entfernt wie der Wiener Schmäh, der mir von Tag zu Tag immer mehr fehlt. So kann ich es kaum erwarten mit meiner Liebsten wieder nach Wien zu fliegen. Ich möchte all die alten Wiener Kaffeehäuser besuchen, wienerisch hören und den grantigen Kellner lieb zu gewinnen.

Wien, Schwechat, Einstieg CAT:

Ich halte kurz inne. Endlich, in 50 Minuten wieder im geliebten Wien, da reißt mich eine Frauenstimme aus meinen Träumen "Hearst Schiessana! Geh weida oder wos?!", ich ignoriere sie aktiv, ist sicher eine Zugereiste, muss ja noch lernen das alte Mädel und setze mich ans Fenster um mein geliebtes Wien bald zu sehen. Die Fahrt vergeht schnell, zu sehen gibts auch nicht viel, außer der Frau, die sich immer noch nicht beruhigt hat und mich böse anstarrt. Endlich hält der Zug und ich steige mit irrer, fast schon damischer Vorfreude aus. Der linke Fuss zuerst, denn rechte gabs hier schon zu viel. Meine Freundin kann mich, oben angelangt, nur mit Mühe davon abhalten die Menschen zu umarmen. Ein Mann sieht meine freudigen Blicke, kommt aufgeblasen her "Wos is Worma? Wüst ana in de Goschn?", logischerweise verneine ich und gehe weiter. Renne dabei gegen eine alternativ aussehende weibliche Lebensform. Entschuldigen kann ich mich nicht mehr. "Schiessana! Wos is?"

Ich sehe meine Freundin an. "Wann geht der nächste Flug nach Berlin?".

Wien ist nur im Ausland schön

© Tom C. Schopper