SM.

"Endlich ist er dran!", "Ich will die Erste sein, die ihn übers Knie legt!", "Lehrt ihn Disziplin!", wenn diese Sätze dir jetzt, beim Lesen des Titels durch den Kopf gegangen sind, dann hast du entweder zu viel Fantasie, zu viel das PseudoBuch Shades of noch irgendetwas, gelesen oder weißt es einfach nicht besser. Gut, dass ich auch dafür eine Geschichte habe.

Im Jahre 2010 startete ich mein BuchProjekt, dazu nahm ich Profis zur Hand, die wussten, wie ich ohne Budget viele Käufer erreichen kann. So sitzen wir beim Brainstorming in einem großen Consulting Büro meines besten Freundes Chris. Ich bin umzingelt von 3 Spezialisten. Nein, mein Psychiater war diesmal nicht dabei. Der war auf Rehab. Das Wort hat ein Spezialist für InternetMarketing. "Wir müssen dich unbedingt auf SM bringen", hallen seine Worte durch mein verwirrtes Gehirn und ich fürchte mich. "Warum immer i?", frage ich zögernd, der doch keiner Fliege etwas zuleide tun kann. "Nein, ich mein das anders herum", wirft der Spezialist ein. Und jetzt beginnts in meinem Kopf echt grauslich zuzugehen. Ich sehe mich gefesselt an einem Pfosten stehen, rundherum meine Lektorinnen, denen ich bereits jede Menge grauer Haare und Aggressionen ungeahnten Ausmaßes beschert habe. Bereit mir alles heimzuzahlen. Da holt mich der Spezialist wieder aus meinen fürchterlichen Gedanken. "Und ich meine wir sollten alle, wirklich alle, erreichen, damit es wirklich auch Sinn macht". Meine Bitte einen Sesselkreis zu bilden und über Schmetterlinge zu philosophieren wird natürlich nicht stattgegeben. Nervös blicke ich auf die Wand, wo sich ein Excel Diagramm darstellt. Ich verliere mich darin bis mich Christian aus meinen Gedanken reißt. "SM wäre wirklich gut für dich, denn ...", mehr höre ich nicht. In Panik springe ich auf und mit einem "Ihr seids echt alle deppert!", stürze ich bei der Tür hinaus.

Mit dem Lift erreiche ich das Erdgeschoß und renne in den nahegelegenen Park. Ich nehme eine Parkbank, die versteckt durch einen großen Busch liegt und setze mich keuchend darauf. Hastig schaue ich ob sie mich verfolgen. Die spinnen ja alle. Komplett durchgeknallt. Lachen von der angrenzenden Parkbank lenkt meine Blicke auf 4 junge Menschen, die sich um ein Smartfone geschart haben und sich abhauen als gäbe es kein morgen. Ich erhebe mich und gehe hinüber. "Was habts denn da Lustiges? Darf ich auch zuschauen?", offen laden sie mich ein einen witzigen Kurzfilm mit anzusehen. "Das ist ja leiwand, wo gibts denn solche Filme zu sehen?", frage ich. "In den SM", antwortet eine junge Frau. Mich reißts naturgemäß, sie sieht das und ergänzt "Social Medien, kurz SM". "Ahhsoo, eh klar", antworte ich dankend und stehe geknickt auf.

Bei der Liftfahrt in den 4. Stock überlege ich mir einen guten Text zur Entschuldigung. Als sich die Türe öffnet, sehe ich Christian vor meinem leeren Sessel stehen. Er hat einen Gürtel in der Hand. "Setz dich bitte wieder ... wir sind noch nicht fertig mit dir".

Sie lachten noch lange.

© Tom C. Schopper