Sturm.

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Wochenlang daheim zu verbringen ist für Menschen wie mich, mit Depri, ohne Kohle und mit viel zu schreiben eine einfache Übung. Essen brauch ich auch nicht zu bunkern da ich eh zu fett bin. So sitz ich und denke in den Schreibpausen nach.

Meine Leser wissen, das ist meine Spezialdisziplin, mehr noch, es ist gerade in diesen Zeiten notwendig geworden. So hab ich im ersten Gedankenexperiment eine Einkaufsliste für Kranke im Haus entworfen und aufgehängt. Dann schnell in die Wohnung rauf, den Virus im Nacken, die ZombieAkpokalypse. Besonders bei Klopapier denk ich mir das. Naja, bei der minderen Qualität der Gulaschdosen, bzw, deren Inhalt werden die das sicher brauchen. Aber wie lange?

So denk ich wieder. Besonders im Kontakt zu meiner Lebensliebe aus Berlin und deren Nachrichten, kippt das Denken ins Grübeln. Unkontrolliert. Sitz ja eh alleine daheim.

Was ist eigentlich nach der Krise? Werden hier überbewertete Aktienkonzerne wieder durch Staatsgeld aufgeblasen, damit das seltsame System nicht kippt? Was geschieht mit den Menschen, die durch Kurzarbeit nur knapp über 60 Prozent Einkommen haben? Reserven haben die wenigsten. Unterstützungen bekommen nur Firmen. Vermieter schmeißen beinhart Menschen aus den Wohnungen, die in Mietverzug kommen. Leasingverträge werden gekündigt, obwohl die Banken ja wieder einmal MRD Unterstützung bekommen. Stundung? Nein, das Kapital eh schon wissen. Gewinne.

So denk ich wieder und rufe meine Wirtschaftsspezialisten an. Ja, da werden wohl ein paar Millionen Menschen in Kürze ohne Obdach sein. Wissen die eigentlich schon, dass diese 4 Wochen Cocooning die letzten in der Wohnung sein werden?

In Germany, eh weit weg. Oh, doch nicht soweit. So bereite ich mich vor. Daheim allein. Im worst case kippt der soziale Frieden nach den 2 Monaten des freiwilligen Wegsperrens. Starre auf die Landkarte. Zeichne mir meine militärischen Kontakte darauf ein, auf den Weg nach Berlin. Und denke wieder, dass eh alles gut wird. Dann kommen wieder die Bilder der letzten Tage. Dort sehe ich die Hamster, die eigentlich Affen sind. Hysterische im Kampf ums letzte Klopapier. Nein das geht nicht gut aus, im Worst case. Im best case hab ich guten Stoff für einen neuen Roman. "Wie bereite ich Klopapier kulinarisch zu?"

So schreibe ich auf meine corcooning Liste "Buch drüber schreiben". Hoffentlich schreibe ich und wandere nicht durch Europa um die Liebste zu schützen und in die sichern Wälder zu bringen. Ja, mein Wissen über Survival wird mir dabei helfen. So schreibe ich auf die Liste "Neues SurvivalBuch schreiben".

Ja, und auch für die große RUNA Lesung im Frühling üben. Mit Actionszenen. Da wird mir mein Kostüm eh wieder passen. Sicher.

Genug der Gedanken. Ich hab noch viel zu tun. Und ihr bleibt cool.

Versprochen?

Hab ich heute eigentlich schon nachgedacht, wo ich den Dosenöffner hingeräumt habe? Egal, ich hab ja in den nächsten Wochen Zeit genug zum Suchen. Zum Arschabwischen nehm ich dann die Gratiszeitungen

© Tom Schopper