Zündschnur.

Ha!, rufe ich laut in den Nachthimmel hinauf, nur die dünne Zeltplane verhindert, dass ich ihn auch sehe. Panisch gehetzt blicke ich um mich und sehe sie kommen. Kann fast schon ihr hysterisches Zischen hören, sich unaufhaltsam nähernd. Das ist immer so, wenn ich einen guten Einfall habe, von einer Idee ganz zu schweigen. Bei Wicky gingen immer die Glühbirnen an … bei mir kommt die entzündete Zündschnur.

Kann ja eh eigentlich egal sein, könnte man im Paralleluniversum der Unwissenheit meinen. Wird ja eh scho nix passieren, der gelassene Wiener wissen. Dennoch geschieht Seltsames, wenn die Zündschnür ihr Ende erreicht. Sie endet direkt in meinem Kopf. Manchmal geht es sich noch aus die letzten Gedanken aufzuschreiben, dann wieder nicht. Da blicke ich starr auf die Zündschnur, spüre das Plopp, mit dem sich die letzten Gedanken verabschieden und wundere mich, warum es nach verbrannter Zündschnur stinkt.

Darum suche ich im Zelt panisch nach Notizbuch und Stiften. Find natürlich nix, weil ein Auge auf der zischenden Zündschnur liegt, die sich unbarmherzig und vor allem ungebremst, schnell nähert. Ich lasse Heft, Heft sein und schnappe mir das Telefon, da hab ich 2 Kandidaten, die ich auch um 3 Uhr morgens anrufen kann. Ihnen erzähle ich dann schnell die letzte gute Buchidee und die berichten mir das später, wenn ich wieder keine Ahnung habe. So hatten wir schon einige spannende Momente gehabt. Wie ich gerade, als ich feststelle, dass der Akku leer ist, noch panischer als zuvor reiße ich den Reißverschluss des Zelts auf und stürze ins Freie. Zielrichtung Auto, doch dort erwarten mich 4 verschlossene Türen. Schlüssel logischerweise noch im Zelt, doch dorthin gehe ich nicht mehr, dort wartet die Zündschnur, die sich unbeirrt weiter in meine Richtung frisst. "Der Hof, das Hauptgebäude!", rufe ich, dort muss es Papier und Stift geben, damit ich die Buchidee samt Handlungsstrang schnell aufschreiben kann, bevor sie mich erreicht.

Die Zündschnur.

300 Meter liegen vor mir, meine Beine hetzen über den Schotter, auf das Pfeifen der Lungen gebe ich nichts, im Gegenteil, ich erhöhe meine Geschwindigkeit, stolpere über Löcher, erfange mich wieder und renne als wäre der Deibl selbst hinter mir her. Doch es ist etwas viel Gefährlicheres hetzt mich. Das Vergessen. Kurz vor dem Hauptgebäude erreicht sie mich, die Zündschnur.

Plopp!

Ich habe angehalten, meine Hand liegt auf der Türschnalle des großen Holztors. Fragend blicke ich mich um. Hmm, was war es nur? Warum steh ich keuchend vor dem Tor? Meine Synapsen scheißen mir was, soll ich mich doch selbst verbinden und gegen die Mauer, hinter der meine letzten Gedanken von der Zündschnur gefressen wurden, gibt es kein Durchdringen. Meine Atmung wird ruhiger, ich werde ruhiger. Dann seh ich gleich neben dem Hauptgebäude die Toilettenanlage und grinse breit. Na klar, ich außer Atem, direkt vor dem WC, also war ich auf dem Weg dorthin.

Als ich es betrete, bleibt von der Geschichte nur ein feuchter Schas.

© Tom C. Schopper