Blödes Timing.

Tief, mit einem dunklen Umhang verhüllt, sitze ich am Schreibcomputer. Es ist 6 Uhr morgens und ich habe bereits mein Tagessoll von 12 Seiten erfüllt, und dennoch kann ich nicht enden. Die Geschichte hat mich noch voll gefangen, so sehr, dass die Kaffeemaschine in der Küche seit Stunden ins Leere blubbert.

"Jetzt vergehen die Welten!", rufe ich und schreibe wie in Trance von Heimdallr, seinem Horn, von Walhall und all den dunklen Drachen. Mein Gesichtsfeld wird immer enger, bis selbst die Gedanken wie in einem schwarzen Loch komprimiert werden und sich auf der anderen Seite auf dem Papier wiederfinden. Ich lese es nicht, es ist wie eine Reise in deren Verlauf ich die Welten entstehen lasse in denen ich mich bewege. Nein, schizo ist anders. Das ist genau die Welt, wo alles möglich ist. Alles. Dort entstehen all die Träume die auch unsere Ziele werden können.

Ich bin dermaßen von den Ereignissen gefangen, dass ich Schwert und Schild neben mich beim Schreiben stelle. Es könnte ja sein, dass die Wesen aus der Geschichte in meine Welt kommen und ich dann schon wieder schuld an allem bin. Diesmal not.

So fliegen die Finger über die Tasten und hoffen mit den Ereignissen Schritt halten zu können, denn die Geschichte hat sich bereits verselbstständigt und ich schreibe nun mehr als Berichterstatter, denn als deren Gestalter.

Der Himmel bricht, Brüdersöhne fallen übereinander her, Windzeit, Wolfzeit … und inmitten des Wahnsinns steht mein Held. Der Macho, der zum ersten Krieger der Göttin wurde und nun gegen das dunkle der Welten steht, nur mit Schwert, Schild und Liebe bewaffnet. Die Glocken des Untergangs läuten laut und klar ….

Nun denn, kann man sich denken. Was solls, kann man sich fragen.

Eh nicht so arg, könnte man meinen und dennoch, wurde es die Geschichte der letzten Wochen für mich, denn mitten im wildesten SchlachtenChaos wurde das Läuten real. Es dauerte eine Zeit, bis mein Unterbewusstsein realisierte, dass es von der Wohnungstür kam, mein glorreiches Über-Ich, gefangen im Ragnaröck, hörte sie kommen. Sie waren hier, Swartalfs grausamen Ursprungs hier vor meiner Türe. "Schwertzeit, Beilzeit ists!", rief ich. Mit einem "Bis die Welten vergehen!", sprang ich auf, packte das Schild, umfasste das eherne Schwert und lief Richtung Türe.

Der Tom S. Versteher weiß nun was kommt … du noch nicht, darum lies bitte aufmerksam weiter.

Natürlich riss ich die Eingangstüre weit auf. Bereit die Göttin zu schützen, schritt ich mit Schild und Schwert in den Gang … mitten in meinen LieblingsRauchfangkehrer hinein.

Da er mich schon seit über 18 Jahren kennt, musste ich ihn diesmal gar nicht so lang reanimieren. Sein Lehrbub kennt mich jetzt auch schon ein bisschen besser. Ich mag mir gar nicht ausdenken, wenn da zwei alte Damen von den Zeugen Jehovas oder gar der Gerichtsvollzieher draußen gestanden hätten. Drum kann ich euch ohne Zwangsjacke eine weitere unglaubliche Geschichte erzählen.

Die sich auch genauso zugetragen hat. DackelblickSchwur.

© Tom C. Schopper