Der tiefe Fall und ein Iglu.

In drei Monaten bin ich auf der Straße. Nein, diesmal nicht zum Wandern, sondern zum Leben. Spontane Vergrößerung des Wohnraums mögen es die Optimisten nennen, Wahnsinn mit großen Wechselwirkungen die normal Denkenden, eine weitere Ungerechtigkeit nenn ich es. Hoffentlich fällt heuer viel Schnee damit ich mir ein Iglu bauen kann, fällt wenig muss ich in die Berge. Dort ist das Essenbeschaffen etwas herausfordernder dafür gibts weniger Probleme mit Mitbürgern.

Moment, bin ich dann noch ein Bürger oder menschlicher Biomüll?

Wie kams dazu? Diese Frage tut sich auf. Ja. Die tut sich wirklich auf. Wie konnte das geschehen?

Im vorigen Jahrhundert erbte ich die Schulden der 2. Ex. Ich stand mit zerstörter Wohnung und massiven Renovierungsschulden da. Nein, ich hab nichts zerstört. Ich habe mich auch nicht in die Therapie statt Strafe geflüchtet, ich nahm und nehme ja keine Drogen und ging nur 12 Stunden Schichtarbeiten. Kurz bevor die Wohnung in Trümmern gelegt wurde, ging die Ex zur Bank, erzählte dort was ich nicht für ein mieser Mensch bin und "Tschack" war ich gebrandmarkt ohne was zu tun. Die Nummer zog sie auch bei meinem Arbeitgeber durch und ich hatte, nach 25 Jahren Dauerbeschäftigung, plötzlich keinen Job mehr. Die Bank war fleißig und stellte die Kredite SOFORT fällig. Na servas dachte ich mir noch und dann kam das eigentlich Ungeheurere, das man nicht einmal in einem Krimi erwartet hätte. Mit der Fälligstellung kam ich auf eine Blacklist aller Banken …und ich bekam nirgends mehr ein Girokonto, auch kein Habenkonto das man nicht überziehen kann. Als Facharbeiter konnte ich mir jeden weiteren Job knicken, denn Job und Konto sind eine Einheit. So bekam ich statt Job jede Menge Schwarzarbeitsangebote, die ich nicht annahm, wer will schon ohne Krankenversicherung um 5 Euro in der Stunde arbeiten, besonders, wenn der Kollektivlohn bei 24.- liegt? So wurde ich vom braven Drucker zum arbeitsscheuen Gesindel das sich durch die soziale Hängematte bereichert. Yeah! 560.- im Monat ist die wahrlich feine Bereicherung, besonders wenn ich mit Konto 4.000.- verdienen hätte können. Ich schrieb an den Präsidenten, alle Parteien, an jede Institution die sich mit Verfassung und Recht beschäftigt. Null.

So wurde ich in den Jahren der sozialen Hängematte richtig krank. Bandscheiben aufgelöst, Hungerbauch und immer Panik die kleine Wohnung zu verlieren. Vor Kurzem las ich über die CUMEX und CUMCUM "Geschäfte" und dachte: "Endlich kommen die fehlenden Milliarden ins Steuer- und Sozialsystem zurück", das dachte ich Optimist wirklich. Erfahrungsgemäß tritt das Gegenteil ein und nun wird die Notstandshilfe aufgelöst.

Jede mir zur Verfügung stehende Minute schreibe ich um mein Leben. Meine Menschlichkeit. Nur wo soll ich das Geschriebene denn zu Geld machen? Ohne Kreditkarte spielt es auf diesem Planeten nichts.

So hoffe ich, dass der Winter schneereich sein wird und mein Iglu den Stürmen, die da noch kommen werden standhalten wird.

© Tom C. Schopper