Des Teufels Logik.

"Na Servas", denk ich mir grad und überlege, ob ich mich jetzt wieder gesund melden muss, obwohl ich eigentlich noch krank bin.

Ja, klingt mental daneben, ist es auch. "Wenn man krank ist, dann ist man krank!", hallt die Stimme der Logik durch mein mittlerweile ausgebranntes Gehirn. "Najo, das stimmt schon, nur, wenn du über den Monatsletzten krank bist, gibts kein Geld zum Mietezahlen, Essenbeschaffen und Medikamente besorgen, die du ja zum Gesundwerden brauchst. Vom Fahrschein, damit man den Arzt erreicht ganz zu schweigen", antwortet die Realität. "Was hat das mit dem Kranksein zu tun?", fragt die Logik weiter, die einfach nicht den Mund halten kann. "Krankengeld gibt's erst, wenn du gesund bist!", redet die Stimme der Vorschriften dazwischen, die nun auch nicht mehr die Pappen halten kann.

Um das Gedöns der wirren Synapsenschaltungen zu beenden, mache ich mir einen starken Kaffee, vielleicht spült der erhöhte Blutdruck die Stimmen fort. Bis der Kaffee durchgeblubbert ist, ziehe ich mir die Bergschuhe an, denn jetzt stehen noch ein paar Kilometer Arztwanderung an, dann zum Arbeitsamt um mich zurückzumelden und, wenn ich dann überhaupt noch, ohne Bandscheiben, gehen kann, suche ich die Anwältin heim, die ja auch auf dem Weg liegt. Nein, nicht um gegen den Wahnsinn vorzugehen. Vorschrift ist ja Vorschrift. Sondern um die Neueinreichung der Invalidenpension vorzubereiten. Wird eh wieder nichts draus werden, ich lebe ja noch und war einmal Facharbeiter. Die Hoffnung wurde 2011 durch die Pensionsreform zerstört. Die ist zwar ungleich im Recht aber was heißt das schon? Das Salzamt hat sicher auch schon zu.

Oh, die Bergschuhe haben ein Loch, stelle ich grad fest. Wenigstens regnet es nicht, noch nicht. Kaffee blubbert noch immer. So setz ich mich neben meine Drogenstation und sehe mir die Goiserer an. Ach, waren das gute Zeiten. Wie viele Höhenmeter haben wir gemeinsam schon hinter uns? Natürlich bekomm ich keine Antwort, soweit bin ich noch nicht, dass ich Stimmen von Schuhen höre. Ich sehe die Bilder von damals, als mein größtes Problem noch war mit Franz mitzuhalten. Sehe meine Outdoortrainer Ausbildung als sie mich aufs hohe Deneck trugen. Sehe den Tag als Papa sie mir geschenkt hat, sehe die Wanderführer Ausbildung, wo sie mich ebenso begleitet hatten, wie die unzähligen Bergtouren in denen sie mein treuer Begleiter waren. Nee, von euch trenn ich mich nicht und beginne das Loch zu flicken. Sie sind ja mein letzter guter Anker aus einer Zeit, bevor der Irrsinn zum Gesetz erklärt wurde. Positiv denken, ja, immer ans Gute glauben. So blicke ich auf die Decke, an der sich große Flecken vom Wasserschaden zeigen und beginne laut zu lachen. Warum? Ich sehe die lachenden Feuerwehrmänner als ich mich todesmutig ihnen in den Weg stellte. Mich hauts vor Lachen vom Sessel, denn ich habe nun das Schlussbild von 'nürchtet euch ficht' wieder vor Augen.

Ich lass Kaffee, Kaffee sein und verlasse die Wohnung, denn ich hab noch viel Weg vor mir.

© Tom C. Schopper