Ghost in the wood.

"So war das damals, als ich mich als 10 jähriger beim Schwammerlsuchen hier in den Wäldern verirrt und 2 Tage alleine im Wald verbracht hatte", mit diesen Worten schließe ich meine Geschichte, die ich im Urlaub in Keutschach in Thomas' Mostschenke einigen Urlaubern erzähle.

Der Most fährt gut und ermuntert einen Deutschen zu weiteren nachfragen, denn die Erlebnisse waren zu unglaubwürdig. "Tom, das als echt darzustellen ist zu blöd. Prost", sagt Karl-Heinz und nimmt den 5. Most in Angriff. Ich bin ehrfahrungsgemäß in meiner Ehre gekränkt und sehe hilfesuchend Thomas an, der gerade den nächsten Most serviert. "Wo sind die Dobeiner Türme?", frage ich ihn und Thomas zeigt nach Osten. "Dort, aber ich würde nicht durch den Wald gehen", meint er und stellt mir meinen Apfelsaft auf den Tisch. "Wieso?", fragt KH mit schwerer Zunge. "Weils dort …", er denkt nach, dann fährt er fort "... irgendwie seltsam ist", dann geht er wieder in das Haus hinein. "Seltsam gibt es nicht. Jetzt zeigen wir den Österreichern einmal wie wir mit solchen Märchen umgehen!", ruft er und schnappt sich seinen Rucksack. 3 weitere, durch Most motivierte Urlauber schließen sich KH an und mir bleibt nichts anders über als hastig meinen Saft auszutrinken und den Wahrheitsbeweis anzutreten. "Na dann kommt, ihr Germanen!", rufe ich und wir gehen nach Osten. Nach einer halben Stunde wird der Wald dichter. KH auch. Dennoch hält er tapfer mit. "Jetzt muss ja dein angebliches Hexenhaus kommen", sagt einer der Mitgeher. "Ja, da vorne ist der Riss im Boden, in dem das Blockhaus drinnen steckt", und wir nähern uns einem langen Riss im Waldboden. Heute sieht nur mehr das Dach davon heraus. Zerborsten durch den Druck und dennoch klar als Dach zu erkennen. Die 3 Mitgeher sind plötzlich still. KH nicht. "Zufall. Dann kommen wir ja zum Hohlweg wo dich der Geist verfolgt hat", meint er.

Wir gehen seit einer halben Stunde auf dem fast zugewachsenen Hohlweg. 3 Meter tiefer als der dichte Wald, in dem es kein Weiterkommen gibt. Da raschelt es plötzlich über uns. Es kommt immer näher. Auf unserer Höhe angekommen endet es abrupt. "Einbildung", sagt KH und geht weiter. Das Rascheln folgt uns. Die 3 Begleiter beginnen schneller zu gehen, ich renne. Ich kenne die Nummer ja schon. Das Rascheln wird schneller, folgt uns. Jetzt rennt auch KH. Der Wald über dem Weg ist so dicht, sodass nicht einmal ein Dackel dort laufen könnte. Es wird kälter. Wir rennen immer schneller. Das Rascheln folgt unbeirrt. Nach einer halben Stunde erreichen wir eine größere, neue Forststraße, und rennen bergab bis wir zu einem kleinen Hof kommen. Das Rascheln ist weg.

"Seids deppert ihr Trutschen?!", ruft der Bauer der gerade seinen Traktor abstellt. "Dort geht man nit eini". "Wieso?", keucht KH. Und der Bauer erzählt uns die Geschichte von Armin, dem debilen Wassermühlenbauer, der dort auf der Flucht vor dem Zahnarzt tödlich abgestürzt ist und noch immer dort sein soll.

Ich geh dort nimmer hin.

Mögest du Erlösung finden Armin

© Tom C. Schopper