LebensrettungsPingPong.

Früher lud ich zu meinem Geburtstag einen handverlesenen Kreis von Freunden zum Raften auf die Salza ein.

So bestiegen wir 10 am frühen Vormittag an der Einstiegsstelle StrohliCamp das Gummiteil. Da ein junger Bub mitfuhr nahm ich noch einen zweiten Guide sicherheitshalber mit. Die ersten Kilometer ging es gut dahin, die Gruppe hatte Spaß und ich als Guide noch mehr. He! Ich hatte Geburtstag, da kann man auch einmal Freude haben. So machten wir bei der Sprungstelle Wasserlochklamm eine kurze Pause, ein paar von uns sprangen aus drei Meter ins Wildwasser und wurden von einem großen Kehrwasser sicher wieder zum Boot gebracht. Eine sehr einfache Übung. Dann kamen die Stellen auf die ich mich immer besonders freute, Petrus, die scharfen Felsen vom Paradies und die letzte Chance zur Pause vor der Einfahrt Palfauer Schlucht, Erzhalden. Ich wollte sie nutzen, leider war das Kehrwasser dort schon mit 5 Raft voll und so fuhr ich weiter.

Einfahrt Schlucht ging super, bis plötzlich kurz vor der gefährlichsten Stelle, die Platte, etwas Unruhe aufkam die mich so sehr ablenkte, dass ich den Zeitpunkt das Raft ganz nach rechts zu steuern um einen lächerlichen Meter verpasste. Ab diesem Zeitpunkt saß der Sensenmann schon auf meiner Schulter.

"Alle vor!", schrei ich und lenke das Raft scharf nach rechts. Es rauscht fürchterlich neben uns, eine scharfe Kehrwasserverschneidung verbiegt den vorderen Teil des Rafts, sodass die erste Reihe in die Mitte des Rafts fällt. Die nächsten zwei Reihen hören auf zu paddeln und es zieht uns direkt in den Zulauf einer irren, tief morchelnden Walze hinein. Genau dort wo eine Woche zuvor ein Feuerwehrmann ums Leben kam. Nur durch große Kraftanstrengung drehen wir wieder auf den Hauptstrom, die etwa 1 Meter hohe Verschneidung lässt das Boot um 90 Grad kippen, sodass die ganze linke Seite nach rechts fällt, das Raft klappt noch einmal aufs schnell dahinfließende Wildwasser, dann flippt es ganz. Alle fallen in den Hauptstrom nur ich und der Bub nicht. Ich, weil sich mein Bein unter der Luftpumpe und der runden wasserdichten Tonne verkeilt. Der Bub nicht, weil er in den Walzenzulauf gezogen wird. Mir wird schwarz vor Augen, kann die Luft kaum länger anhalten und durch den Schlag gegen meine Brust auf einen Felsen werde ich aus der Fussschlaufe gerissen. Bin frei und tauche tief einatmend im Walzenzulauf auf, direkt neben dem Bub, den schnappe ich mir und halte ihn vor mich, sodass er nicht gegen die Felsen schlägt, ich schon. Der letzte der drei Einschläge gegen Felsen lässt sofort das Gefühl in meinen Beinen verschwinden. Ich werde sterben, wird mir zum ersten Mal klar. Nur die Rettung des Buben gibt mir die Kraft um in Ufernähe zu kommen, aber ich schaff es nicht mehr, bin zur Hälfte gelähmt. Da seh ich Rene im Wasser stehen, die mich am Kragen packt und samt Buben aus dem Wasser zieht. Der Bub hat einen kleinen Schock ich aber spüre meine Beine 2 Wochen nicht mehr.

Das war eine meiner letzten Touren.

Danke Rene, dass ich noch leb.

© Tom C. Schopper