Wasser ist (leider) mein Element.

Heute sitz ich seit 3 Uhr am Schreibgerät. Schreib meinen neuen Thriller. Diesmal mit weniger Horror, mehr mit Spannung und dennoch werden wie immer die Bilder in meinem Kopf plastisch. Ich bin mitten drin. Vorher hab ich noch gecheckt, ob der Rauchfangkehrer mich besucht. Nein. Herrlich. So kann ich gefahrlos für alle Beteiligten loslegen.

Es ist gegen 8 Uhr. Meine Opfer haben gerade in der alten Kanalisation Wiens die Orientierung verloren. Geräusche hallen durch die absolute Dunkelheit. Wassertropfen erzeugen spannungserhöhende Geräusche, meine Protagonisten wechseln gerade die Hose. Da platzt in einem angrenzenden Kanal ein Zulaufrohr, dass sich sogar mein Unterbewusstsein wundert wie real es klingt. So schreibe ich, bis mich eine halbe Stunde später die Geschichte ausspuckt. Das bin ich schon gewöhnt und weiß, jetzt ein Kaffee und der alte Tom ist wieder im Jetzt geerdet. Noch verwirrt gehe ich in die Küche. Denke mir "Wow", so real bin ich noch im Kanalsystem Wiens, dass ich sogar das Platschen des Wassers unter meinen Füßen höre. So stampfe ich zu meinen Bohnen, die ich zu zerkleinern gedenke. Wasser tropft auf meinen Kopf und ich traue mich nicht hinaufzusehen, denn bei meinem Pech ist es sicher schon der Aasgeier, der auf dem Küchenschrank sitzt und sich gerade vor Freude ansabbert. Ich möchte gerade ein Selbstgespräch beginnen, um mich selbst aufzuheitern als das Tropfen zu einem kleinen Schwall wird, der meinen Kopf komplett einnässt. "Super, mehr als einen Geier bin ich dem Universum schon wert", und bin mir sicher, dass die Drachen aus meinem vorigen Roman über mich gleich herfallen werden, weil ich zu viele Rechtschreibfehler gemacht habe.

Dann sehe ich nach oben. Mitten in einen Schwall Wasser, der sich aus der Decke über mich ergießt. Ich bleibe stehen, weil ich mein Pech diesmal ganz auskosten will, bis mich Reste eines wachen Verstandes durchs Wasser stampfen und den Installateur Notdienst anrufen lassen. Logisch, dass ein WorstCaseReiter wie meinereinereins solche Nummer im Handy gespeichert hat. In einer halben Stunde soll er kommen, sagt die Dame am Telefon. Ich nutze die Zeit und lerne meine Nachbarn über und unter mir kennen, dann begeben wir uns auf die Suche nach der Hauptleitung um sie abzudrehen. Logischerweise finden wir das Ventil nicht. Da vernehme ich das Folgetonhorn eines Einsatzwagens vor dem Haus. Juhu die Rettung naht, denk ich mir, dann reiße ich die Eingangstüre auf und sehe den Feuerwehrwagen direkt vor dem Haus stehen. "Nein!", brülle ich. "Nicht löschen!", schreie ich ihnen entgegen und stelle mich todesmutig in den Weg. Die lachen sich krumm und drehen den Haupthahn des Hauses ab. "Gefahr abgewandt", denke ich und hetze die Stiegen hinauf um das Wichtigste zu retten. Mit Schreibgerät und den handschriftlichen Büchern unter dem Arm verlasse ich die Wohnung und erwarte in Unterhose die Ankunft des Installationsdienstes.

Ich denke, nächstens werde ich vom Paradies schreiben.

© Tom C. Schopper