Barfußlaufen- das Sahnehäubchen

Berge zu besteigen ist etwas Schönes. Aber durch meine Frau habe ich das Meer neu entdeckt. Dies geschah während eines Tunesienurlaubs. Wir hatten ein Hotel gebucht, das direkt am Strand lag. Und als wir angekommen waren, nutzen wir gleich den Abend für eine Erkundung. Schon nach wenigen Metern waren wir am Sandstrand.

Was ich nun erlebte, hat sich bei mir für immer als etwas Besonderes eingeprägt. Denn ich war bis dahin barfuß auf glattem Asphalt, auf Waldwegen oder über Rasen gelaufen. Aber all das wurde durch den Sand, den ich nun unter meinen Füßen spürte, noch bei weitem getoppt. Dieses Gefühl, wenn bei jedem Schritt die Sandkörnchen zwischen den Zehen hindurchrinnen, ist einfach unbeschreiblich. Genauso wie es unbeschreiblich ist, zu fühlen, wie der feine Sand bei jedem Schritt die Fußsohlen durchmassiert.

Und wenn wir etwas Abwechslung wollten, gingen wir einfach etwas näher ans Wasser; dorthin, wo die auslaufenden Wellen die Füße eben noch so benetzen oder umspülen.

Wir sind an diesem ersten Abend mehrere Kilometer an diesem herrlichen Strand entlanggegangen; mal näher am Wasser und mal auch ein Stück davon weg.

So etwas tut gut; aber nicht nur an den Füßen. Denn das angenehme Gefühl, das sich mit Barfußlaufen im Sand verbindet, setzt sich auch in die anderen Körperregionen hinein fort: in die Beinde, in den Rücken samt der Wirbelsäule, in den Nacken und schließlich sogar in den Kopf. Alles ist wunderbar durchblutet und fühlt sich richtig toll an. Barfußlaufen ist gesund- ja, das ist wahr. Aber es ist noch viel mehr als das.

Natürlich sind die Füße nach einer Weile mit einer Schicht Sand bedeckt. Aber dabei empfinde ich sie nicht als "dreckig"; vielmehr sind sie so eine Botschaft an mich: Was du machst, ist toll. Mache das immer wieder und behalte es auch an anderen Tagen in deiner Erinnerung!

Trotzdem wuschen wir danach natürlich im Hotelzimmer die Füße. Und daraufhin setzten wir uns (natürlich barfuß) auf unseren schönen Balkon, um den südländisch warmen Abend zu genießen. Den Balkon hatten wir am Abend gleich von vornherein für die ganze Dauer unseres Aufenthalts zur "schuhfreien Zone" erklärt. In unseren Gedanken hatten wir da ein Plakat entworfen und innen an die Tür geklebt: Durchgestrichene Schuhe samt der Aufschrift: "Wir müssen leider drinnen bleiben."

Fast überflüssig, zu erwähnen, dass wir im Reisegepäck kein einziges Paar Strümpfe mitgenommen hatten. Der Kleiderordnung beim Essen im Hotel wurde ich dadurch gerecht, dass ich eine lange leichte Sommerhose anzog und barfuß in meine Slippers schlüpfte. Durch die Hose war dies praktisch nicht zu sehen, aber ich genoss das Gefühl, auch beim Abendessen barfuß in meinen Schuhen zu sein.

Barfußlaufen ist für mich schon immer eine herausragende Sache gewesen. Ich liebe das auf Asphalt, auf Waldboden und auf Gras. Aber der feine Sand des Meeresstrandes ist hier für mich das ganz besondere "Sahnehäubchen." Und insgesamt ist barfußlaufen für mich Lebensfreude.

© Tom63