Ein Gartennachmittag mit schönem Besuch

Martin freute sich. Mit leise patschenden Schritten ging er die Treppe hinab. Hinter dem Haus setzte er sich einfach auf die Wiese. Die Grashalme unter seinen Fußsohlen fühlten sich sehr schön an. Da entdeckte er einen Marienkäfer, der auf seinem großen Zeh entlangkrabbelte. Er hielt die Füße still und sah gespannt zu.

"Hallo Martin!" sagte da jemand hinter ihm. Er sah sich um und erblickte Annette aus seiner Klasse. Sie war ebenfalls barfuß, trug ein weißes T- Shirt und ein blaues Sommerröckchen. Ihre dunken Haare trug sie offen.

Martin freute sich, Annette zu sehen. In den Pausen hatte er sich manchmal schon mit ihr unterhalten. Aber heute kam sie das erste Mal zu ihm. "Hallo Annette!" sagte er.

Da kam Mama aus dem Haus. "Annettes Mama muss mit ihrem kleinen Bruder ins Krankenhaus!" sagte sie. Und da hat ihre Mama mich gefragt, ob Annette zu uns kommen kann. Ihr könnt ja ein wenig miteinander spielen."

Darüber freute sich Martin. Und er hatte auch eine Idee: Er holte seinen kleinen Spielbauernhof auf die Terrasse. Sie bauten die Zäune auf und setzten Kühe, Schafe und Ziegen hinein. Während sie dabei einander gegenübersaßen, legte Martin plötzlich die Sohle seines rechten Fußes gegen die Sohle von Annettes linkem Fuß.

"Was machst du?" fragte Annette.

"Ich schaue, wer die größeren Füße hat."

"Du!" sagte Annette und lächelte dabei. "Deine Zehen gehen weiter nach oben als meine."

Martin nickte. Sie spielten noch eine Weile weiter. Dann am Abend kam Martins Papa auf die Terrasse. Er begrüßte die beiden und sagte: "Ihr könnt mir helfen, den Garten zu bewässern."

Martin wusste schon Bescheid. Papa konnte mit dem Schlauch jeden Winkel des Gartens erreichen bis auf zwei Blumenbeete in der hinteren Ecke. Und da durfte er, Martin immer mit der Gießkanne helfen. Heute aber beschloss er, sein Kännchen Annette zu überlassen.

Sie gingen nach vorne, wo der Gartenweg zwischen Beeten und Bohnenstangen hindurchführte. Papa hatte den Schlauch bereits angeschlossen und war mit dem Wässern der Pflanzen beschäftigt. Martin holte sein kleines Kännchen und gab es Annette in die Hand. "Du darfst das machen!" sagte er.

Annette strahlte.

Jetzt machte Papa den Wasserstrahl schwach. Annette stellte das Kännchen ab, und Martins Papa füllte es auf. Dann gingen sie über den Weg, auf dem sich durch das Wasser des Gartenschlauches einige Pfützen gebildet hatten, zu den Blumenbeeten. Und im Zurückschauen sah er zwei Paare von Fußabdrücken; ein größeres und ein kleineres. Sie kamen von seinen Füßen und von denen Annettes.

Zum Schluss spritze Papa sowohl Martins als auch Annettes Füße mit dem Schlauch ab, sodass sie erfrischt und sauber waren. Annette durfte noch zum Abendessen bleiben. Dann holte ihr Papa sie ab. Er sagte ihr, dass ihr kleiner Bruder Michael am Blinddarm operiert worden sei, es ihm aber schon wieder besser gehe. Annette verabschiedete sich von Martin. Abends im Bett sagte er: "Lieber Gotte, das war wieder ein sehr schöner Tag. Ich danke dir. Amen."

© Tom63